Wenn im Kino die Lichter angehen...
... dann ist der Film zu Ende und der Abspann läuft.
... dann ist der Film zu Ende und der Abspann läuft.
Es gibt eine Frage in der Filmwelt – ach was, in der gesamten Popkultur –, die mit schöner Regelmäßigkeit an die Oberfläche drängt. In der Post-#metoo-Ära sogar noch erheblich häufiger als früher:
Manche Filme schaut man sich an, um zu vergessen. In Zeiten wie diesen ist auch wirklich jede Art von Eskapismus nachvollziehbar. Aber „Brimstone“ schaut man sich an, um sich zu erinnern, wie sich echte, ungeschönte Wucht im Kino anfühlt. Martin Koolhovens Werk aus dem Jahr 2016 ist kein klassischer Western, auch wenn wir uns im "Weiten Land" befinden. Es ist ein markerschütterndes Epos, ein biblischer Albtraum, der den Wilden Westen nicht als Ort der Freiheit, sondern als ein klaustrophobisches Gefängnis aus Schlamm, Blut und blindem Fanatismus zeigt.
Immer wenn ein neuer Film vom Oldboy-Macher Park Chan-wook angekündigt wird, bin ich sofort auf dem Hypetrain. Es gibt Regisseure den vertraut man einfach. Egal was er bisher angepackt hat– man weiß, dass am Ende etwas Eigenständiges dabei herauskommt. Seine Filmografie ist mittlerweile beeindruckend vielfältig. Da ist natürlich zuerst Oldboy, für mich persönlich der wahrscheinlich beste Film überhaupt – ein wilder, tragischer, vollkommen kompromissloser Rachefilm, der bis heute nichts von seiner Wucht verloren hat. Aber auch Filme wie The Handmaiden, Thirst oder Decision to Leave zeigen, wie vielseitig Park als Filmemacher ist. Mal opulent und verspielt, mal düster und brutal, mal beinahe romantisch – aber immer mit einer ganz eigenen Handschrift.
Bei heutigen Text handelt es sich ehrlicherweise weniger um eine klassische Filmbesprechung sondern eher um eine analytische Herangehensweise. Das ist mir allerdings erst aufgefallen, als der Text bereits geschrieben war. Ich hoffe es gefällt.
Manchmal schleppt man Filme jahrelang als eine Art „Hausaufgabe“ mit sich herum. Man kennt das ikonische Poster, man kennt die Legenden rund um die Dreharbeiten und natürlich weiß man, dass dieses Werk in jedem anständigen Filmlexikon unter den Top 100 steht.
Heute möchte ich euch ein wahrlich beeindruckendes Werk vorstellen. Einen Film, welcher von nicht wenigen Kritikern als der beste Film der vergangenen Dekande bezeichnet wird. Jeder der hier ab und zu mal reinliest, wird sicherlich festgestellt haben, dass ich das südkoreanische Kino (oder eigentlich besser die Art wie dort Geschichten erzählt werden) wirklich großartig finde. Dies ist einer der besten Belege für diese Faszination.
Es gibt Regisseure, bei denen ich sofort weiß, was mich erwartet. Paul Greengrass ist so einer. Sobald die Kamera anfängt leicht zu wackeln, Schnitte eher aus dem Bauchgefühl kommen und ich das Gefühl habe, mitten im Geschehen zu stehen, ist klar: Das wird kein entspannter Abend auf der Couch. Und ganz ehrlich? Genau deshalb schaue ich mir seine Filme immer wieder an. The Lost Bus passt da perfekt ins Bild. Das ist kein Film zum Zurücklehnen, das ist Kino, das dich packt und nicht mehr loslässt.
Es gibt Horrorfilme, die sofort wissen, was sie sein wollen. Und es gibt solche, die sich erst langsam entfalten, dabei mehrmals die Richtung wechseln und einen als Zuschauer bewusst ein bisschen alleinlassen. The Empty Man gehört ganz klar zur zweiten Sorte.
Bevor wir uns alle endgültig in Plätzchen, Marzipan und viel zu viel Familienprogramm verabschieden, möchte ich euch noch einen wirklich außergewöhnlichen Film ans Herz legen. Einen von der Sorte, bei der man nach fünf Minuten merkt: „Okay… das ist nichts für den Durchschnittszuschauer.“
Manche Filme sind Klassiker, weil sie ein Genre definieren. Andere, weil sie Zeitgeist eingefangen haben. Rosemaries Baby ist beides – und noch ein bisschen mehr.
A24 und der Kult des Erhabenen: Warum ein Indie-Studio das Kino wieder metaphysisch gemacht hat.
Ich weiß nicht, was gerade mit dem Horrorfilm los ist – aber 2025 ist ein verdammt gutes Jahr für’s Grauen. „Weapons“, „Bring Her Back“ und jetzt auch „Together“ – drei völlig unterschiedliche Filme, und doch alle mit diesem Gefühl, dass das Genre gerade wieder richtig mutig wird.
Unser heutiger Film darf glaube ich mit Fug und Recht als Geheimtipp bzw. unbekannte Genreperle betitelt werden. Selbst an vielen interessierten Filmfans oder Genreliebhaber dürfte Saint Maud vorbeigegangen sein. Das ist furchtbar schade! Es handelt sich hier um einen tollen, intensiven und außergewöhnlichen Horrorfilm.
Dass gutes Filmemachen für mich eine Kunstform ist, sollte dem geneigten Leser mittlerweile klar sein. Das Schreiben von Dialogen, das Komponieren eines Drehbuchs, die Kameraführung, der Schnitt – und dazu ein Score, der nicht dominiert, sondern trägt: All das sind Bausteine der Filmkunst. Wenn all diese Elemente ineinandergreifen, entsteht Kino, das mehr ist als Unterhaltung – es wird zu Kunst.
Es gibt Filme, die nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern wie ein Spiegel wirken – ein Spiegel, in dem man plötzlich erkennt, wie sehr wir alle an Sensation, Spektakel und Schlagzeilen hängen. Late Night with the Devil ist so ein Film. Er spielt zwar in den 70er-Jahren, einer Zeit, in der das Fernsehen noch eine Art nationales Lagerfeuer war, aber seine Botschaft trifft mitten ins Heute. Damals saßen Millionen Menschen gleichzeitig vor den Bildschirmen, um gemeinsam zu lachen, zu staunen – oder eben zu schockiertem Schweigen zu erstarren. Heute scrollen wir durch TikTok-Clips und YouTube-Livestreams, aber der Mechanismus ist der gleiche geblieben: Je krasser, desto besser.
Zuletzt haben wir hier über Irreversibel gesprochen – einen Film, der einem den Magen umdreht, einem den Schlaf raubt und die Welt für ein paar Stunden düster und hoffnungslos erscheinen lässt.
Triggerwarnung:
Eigentlich bin ich kein Freund von Remakes. Meistens braucht sie kein Mensch, meistens sind sie schlechter als das Original. Umso überraschter war ich 2018, als Luca Guadagnino es tatsächlich gewagt hat, Dario Argentos Suspiria neu zu interpretieren – und dabei keinen billigen Abklatsch geliefert hat, sondern ein komplett eigenes Werk. Ein Film, der zwar dieselben Eckpfeiler hat (eine Tanzschule, ein Hexenzirkel, eine ahnungslose junge Frau), aber daraus eine völlig andere Erfahrung formt.
Ich erinnere mich noch genau, wie ich den Film das erste Mal gesehen habe – viel zu jung (irgendwas zwischen 12 und 14) , spät abends, alleine im zu Hause. Irgendwo im Fernsehen lief er, und ich blieb hängen. „Ach, Science-Fiction im Schnee, wird schon nicht so schlimm sein“, dachte ich. Tja, falsch gedacht. Was dann kam, war purer Albtraum. Diese Kälte, diese Isolation, diese Gesichter, in denen die Angst langsam wuchs. Und dann diese Kreaturen! So bizarr, so abstoßend – ich musste den Ton leiser drehen, nur um durchzuhalten. Aber wegschalten? Keine Chance. The Thing ist so ein Film: Wenn er dich hat, lässt er dich nicht mehr los. Und so geht's mir auch knapp 30 Jahre später.
Es gibt viele große Liebesfilme. Manche kitschig, manche tragisch, manche voller Pathos und großen Gesten. Aber kein anderer ist wie In the Mood for Love. Dieser Film von Wong Kar-Wai ist für mich – und ich bin mir sicher, für viele andere auch – das schönste, was das Kino jemals über Liebe erzählt hat. Nicht, weil er mit großen Worten um sich schmeißt oder eine aufdringliche Romanze zelebriert, sondern gerade, weil er leise ist. Weil er das Gefühl von Sehnsucht und Verlangen so einfängt, dass man sich fast selbst dabei ertappt, wie man an den Bildern hängenbleibt, in den Pausen, in den Blicken, in den unausgesprochenen Worten.
Unsere heutige Filmbesprechung ist ein Novum für diesen kleinen Kanal.
Am heutigen 7. August startet mit Weapons der zweite Film von Zach Cregger in den Kinos. Was soll ich sagen: Ich habe da mal so richtig Bock drauf!
Wenn man über die Meilensteine der Filmgeschichte spricht – ich meine die großen Momente, in denen sich das Kino spürbar verändert hat – dann tauchen da meist dieselben Namen auf: Citizen Kane, Star Wars, Pulp Fiction, usw.. Alles richtig. Aber wehe dem, der Akira vergisst. Denn Akira ist nicht nur ein stilprägendes Meisterwerk des Anime-Kinos, sondern ein Film, der – ganz nüchtern betrachtet – das Medium Animation neu definiert hat. Und vielleicht sogar ein ganzes Genre, wenn nicht ein ganzes Jahrzehnt, geprägt hat.