Was möchtest du nach der Schule machen? Diese Frage sorgt bei vielen Jugendlichen für Unsicherheit. Ausbildung, Studium, weiterer Schulbesuch oder doch erst einmal verschiedene Berufe ausprobieren? Auf der Mach Mit Ausbildungsmesse in Oelde wurde deutlich: Niemand muss diese Entscheidung allein treffen. Die Berufsberaterinnen der Bundesagentur für Arbeit, Christin Lotz für die Gesamtschule Oelde und Sibylle Burchard für die Rosa Parks Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum, begleiten junge Menschen genau bei diesen Fragen und unterstützen sie direkt vor Ort an den Schulen.
Auf der Mach Mit-Ausbildungsmesse ist die Bundesagentur für Arbeit vertreten. Christin Lotz (2.v.l.) und Sibylle Burchard (l.) besuchen regelmäßig die Gesamtschule Oelde und die Gesamtschule Ennigerloh im Rahmen ihrer Tätigkeiten.
Persönliche Unterstützung direkt an der Schule
Ein großer Vorteil für die Schülerinnen und Schüler: Die Berufsberatung findet dort statt, wo die Jugendlichen ohnehin täglich sind. Christin Lotz und Sibylle Burchard besuchen regelmäßig die Schulen und stehen als feste Ansprechpartnerinnen zur Verfügung.
Die Themen sind dabei so vielfältig wie die Jugendlichen selbst. Manche wissen noch gar nicht, welcher Beruf zu ihnen passen könnte. Andere möchten herausfinden, welches Studium möglich ist, oder welche Schule nach dem Abschluss die richtige Wahl sein könnte. Auch Fragen zu Bewerbungen, Vorstellungsgesprächen oder Zukunftsperspektiven gehören zum Beratungsalltag.
„Unsere Aufgabe ist es, die ganzen Informationen zu bündeln, zu sortieren und wieder auf das Wesentliche zu bringen“, erklärt Frau Lotz im Gespräch. Denn die Vielzahl an Informationen im Internet sorgt oft nicht für mehr Klarheit, sondern für noch mehr Unsicherheit.
Praktika können beispielsweise auch bei der Stadt Oelde absolviert werden, wie die Vertreterinnen und Vertretr der Stadt Oelde auf der Mach Mit Ausbildungsmesse erklären.
Eigene Interessen werden wichtiger
Besonders spannend ist eine Entwicklung, die beide Beraterinnen beobachten: Immer mehr Jugendliche orientieren sich bei ihrer Berufswahl an den eigenen Interessen und Fähigkeiten.
Früher war es häufig selbstverständlich, dass Kinder ähnliche Berufe wie ihre Eltern ergriffen. Heute sieht das anders aus. „Man geht mehr auf die eigenen Stärken ein und orientiert sich daran“, berichtet Sibylle Burchard. Die Eltern bleiben wichtige Ratgeber, doch die Jugendlichen möchten zunehmend ihren eigenen Weg finden.“
Genau dabei unterstützt die Berufsberatung. Gemeinsam wird geschaut, welche Talente vorhanden sind und welche Berufe dazu passen könnten. Dabei geht es nicht darum, den beliebtesten oder bekanntesten Beruf zu wählen, sondern den passenden.
„Wenn das dein Wunsch ist, dann mach doch das, was du gerne möchtest und nicht das, was die Gesellschaft möchte“, ermutigt Sibylle Burchard die Schülerinnen und Schüler.
Praktika schaffen echte Einblicke
Ein Schwerpunkt an der Gesamtschule Oelde ist die praktische Berufsorientierung. Besonders geschätzt werden die zusätzlichen Tagespraktika in Jahrgang 10. Wer nach dem ersten Praktikum noch unsicher ist, kann weitere Berufe kennenlernen und neue Erfahrungen sammeln.
Die Rückmeldungen der Unternehmen auf der Mach Mit Ausbildungsmesse zeigen, wie groß die Bereitschaft der regionalen Betriebe ist, junge Menschen aufzunehmen und ihnen Einblicke zu ermöglichen. Das gilt sowohl für längere Praktika als auch für einzelne Schnuppertage.
Gerade diese praktischen Erfahrungen helfen oft mehr als jede Broschüre oder jedes Video. Wer einen Beruf selbst erlebt, kann viel besser einschätzen, ob er zu den eigenen Vorstellungen passt.
Regionale Chancen direkt vor der Haustür
Sowohl für die Gesamtschule Oelde als auch für die Rosa Parks Gesamtschule Ennigerloh-Neubeckum spielt die enge Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen eine wichtige Rolle. Viele Jugendliche möchten nach ihrem Schulabschluss in der Region bleiben und hier ihre Ausbildung beginnen.
Die Mach Mit Ausbildungsmesse bietet dafür ideale Möglichkeiten. Zahlreiche Unternehmen präsentieren ihre Ausbildungsangebote und kommen direkt mit den Jugendlichen ins Gespräch.
Die Berufsberaterinnen kennen nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Ausbildungslandschaft vor Ort. Dadurch können sie passende Kontakte herstellen und Perspektiven aufzeigen, die viele junge Menschen vorher gar nicht auf dem Schirm hatten.
Vielfalt statt Klischees
Besonders erfreulich finden die Beraterinnen, dass sich traditionelle Rollenbilder zunehmend auflösen. Immer mehr Mädchen entscheiden sich für technische Berufe, die in einer industriell geprägten Region wie dem Kreis Warendorf viele Chancen bieten.
„Diese Hemmschwelle hat sich tatsächlich verändert“, sagt Sibylle Burchard. In vielen Betrieben seien die Ausbildungsjahrgänge heute deutlich vielfältiger aufgestellt als noch vor einigen Jahren.
Gleichzeitig bleiben soziale Berufe, Pflegeberufe und die Arbeit mit Kindern für viele junge Menschen attraktiv. Die Botschaft der Berufsberatung ist klar: Es gibt keinen „perfekten Trendberuf“. Wichtig ist, dass der Beruf zur eigenen Persönlichkeit passt.
Unterstützung auch für Familien mit internationaler Geschichte
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt ist die Unterstützung von Jugendlichen mit Migrationsgeschichte. Viele Familien kennen das deutsche Ausbildungs- und Schulsystem nicht aus eigener Erfahrung. Die Berufsberaterinnen helfen dabei, Möglichkeiten verständlich zu erklären und Orientierung zu geben.
Das duale Ausbildungssystem mit Betrieb und Berufsschule ist weltweit etwas Besonderes. Viele Länder kennen diese Form der beruflichen Qualifikation nicht. Umso wichtiger sind Ansprechpartner:innen, die Jugendlichen und ihren Familien die verschiedenen Wege aufzeigen können.



