„Nikolaus im Fahrerhaus“ macht auf Lage der Lkw-Fahrer aufmerksam: Ehrenamtspreis des Bistums Münster für Aktion der KAB

Geschrieben am 23.09.2026
von Pressemeldung


Eine KAB-Gruppe, hier aus Borken, verteilt ihre Nikolaustüten an Lkw-Fahrer.


Als Kordula Kollek zum ersten Mal mit einer Nikolaus-Tüte in der Hand an die Tür einer Lkw-Kabine klopfte, wusste sie nicht, was sie erwarten würde. „Da war die Angst: Was passiert, wenn die Tür aufgeht?“ erinnert sich die Ehrenamtliche der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) aus Hamm. Ihre Sorgen war unbegründet. „Die Fahrerinnen und Fahrer haben sich so gefreut!“ Manche hätten die Geschenke erst gar nicht annehmen wollen, andere seien so gerührt gewesen, dass sie noch am Rastplatz ihre Familien anriefen.

Momente wie diese machen die Aktion „Nikolaus im Fahrerhaus“ der KAB im Bistum Münster aus. Seit drei Jahren verteilen Ehrenamtliche von KAB-Ortsgruppen jedes Jahr Hunderte Nikolaustüten an Lkw-Fahrerinnen und -fahrer. Dafür werden sie jetzt mit dem 1. Platz des Ehrenamtspreises des Bistums Münster ausgezeichnet. Eigentlich, erzählt Sigrid Audick, Mitglied der KAB-Diözesanleitung, sei die Aktion 2023 als einmaliges Projekt zum 125. Geburtstag der KAB geplant gewesen. „Wir wollten etwas verschenken – Nikolaus hat ja immer mit Schenken zu tun – und Menschen in den Blick nehmen, die sonst übersehen werden.“ Doch die Aktion sei so gut angenommen worden, dass sich eine jährliche Aktion entwickelte. 

Das Besondere: „Nikolaus im Fahrerhaus“ wird von den Ortsgruppen vorbereitet, findet aber im ganzen Bistum gleichzeitig an einem festgelegten Tag statt. Mit Hygieneartikeln, Plätzchen, Kaffee und einem Schoko-Nikolaus gefüllte Tüten ausgestattet, steuern die Ehrenamtlichen Autobahnrasthöfe oder Parkplätze an und verteilen sie dort an die Lkw-Fahrerinnen und -fahrer. Begegnungen, die nicht nur die Beschenkten, sondern auch die Ehrenamtlichen tief berühren. „Die Menschen in den Lastwagen bekommen Gesichter und Geschichten“, erzählt Günter Schlicker aus Werne.

Aus einer anonymen Kolonne auf der Autobahn würden Menschen aus vielen Ländern, die oft wochenlang weit weg von ihren Familien unterwegs seien. „Da ist keiner von uns so wieder vom Rastplatz gekommen, wie er hingegangen ist“, sagt Berthold Vilbusch aus Oelde. Kordula Kollek erinnert sich an eine italienische Fahrerin. „Als sie ‚Katholische Arbeitnehmer-Bewegung‘ hörte, hat sie ihren Rosenkranz gezeigt und vom Tod ihres Mannes erzählt. Jetzt muss sie ihre Familie ernähren. Sie ist wochenlang allein auf der Autobahn.“ Am Ende flossen auf beiden Seiten Tränen.

Wie und womit die Tüten für die Aktion gefüllt werden, organisiert jede Ortsgruppe auf ihre eigene Weise. Manche Gruppen sammeln Spenden, andere veranstalten Benefizabende oder bitten Gemeindemitglieder, die Tüten zu füllen. „Jeder kann seine Fähigkeiten einbringen“, sagt Vilbusch. Wer nicht selbst auf den Rastplatz gehen könne, backe Kekse, packe Tüten oder unterstütze die Aktion finanziell. Selbst hochbetagte Mitglieder hätten Wege gefunden, ihren Beitrag zu leisten. „Das hat viele motiviert mitzumachen.“ 

Von ursprünglich 26 Ortsgruppen ist die Aktion inzwischen auf 40 KAB-Gruppen angewachsen. Statt wie zu Beginn 1700 wurden im Jahr 2025 schon 2500 Nikolaustüten verteilt. Gemeinsam werden Einkäufe organisiert, Tüten gepackt und die Einsätze vorbereitet. „Alle fühlten sich beteiligt“, sagt Sigrid Audick. Auf den Rastplätzen erleben viele Ehrenamtliche dann eine Welt, die sonst verborgen bleibt. Sie sehen Fahrer, die ihre Wäsche unter der geöffneten Motorhaube trocknen oder mit zwei Sanitäranlagen für alle auskommen müssen. Sie treffen Menschen, die monatelang unterwegs sind und kaum Möglichkeiten haben, medizinische Hilfe zu bekommen. „Das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Audick. 

Auch deshalb hat „Nikolaus im Fahrerhaus“ eine politische Dimension. „Unsere Ehrenamtlichen wollen sich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen“, sagt Wolfgang Kollek, Diözesanvorsitzender der KAB. Die gemeinsame, bistumsweite Aktion soll auf die oft prekäre Situation der Fahrerinnen und Fahrer aufmerksam machen - nicht aus dem Sitzungsraum heraus, sondern dort, wo Menschen Unterstützung brauchen. „Das ist katholische Arbeitnehmer-Bewegung“, sagt Kollek. Deshalb werden die Ehrenamtlichen der KAB auch in diesem Jahr zu Nikolaus um den 6. Dezember herum wieder an die Fahrerkabinen klopfen.