Fortbildung zur Demokratiebildung an der Gesamtschule Oelde: Rassismuskritik als professionelle Aufgabe

Geschrieben am 06.01.2026
von Gesamtschule Oelde


Wie kann Schule ein Ort sein, an dem Demokratie gelebt, Vielfalt wertgeschätzt und Rassismus klar benannt wird? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Teile des Kollegiums der Gesamtschule Oelde bereits seit mehreren Schuljahren intensiv. Unter dem Leitgedanken „GO bleibt stabil für Vielfalt und Demokratie“ verfolgt die Schule das Ziel, Demokratiebildung breiter aufzustellen und Schülerinnen und Schüler in ihrer Meinungsbildung zu stärken. Schule soll ein Ort sein, an dem gesellschaftliche, soziale und politische Zusammenhänge verstanden und eingeordnet werden können – und an dem Lehrkräfte Haltung zeigen. Neutralität im Sinne des Beutelsbacher Konsenses bedeutet dabei nicht Gleichgültigkeit, sondern verantwortungsvolle Positionierung.

Vor diesem Hintergrund fand vor den Weihnachtsferien eine ganztägige Fortbildung zum Thema Alltagsrassismus statt. Organisiert wurde sie von Seiten der Gesamtschule Oelde von Mirja Hölscher, als Koordinatorin für Migration, Integration und interkulturelle Bildung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Oelde, vertreten durch Heike Ewers, und finanziert über das Schulförderprogramm des Kreises Warendorf „Demokratie leben lernen“. Anlass war unter anderem das zehnjährige Jubiläum der Gesamtschule Oelde als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ sowie die selbstkritischen Fragen: Was können wir noch mehr tun? Wie können wir unsere gemeinsame Arbeit gegen rassistisches Handeln weiterentwickeln – gerade an einer Schule, an der viele Kulturen miteinander lernen und arbeiten?

Als Referent konnte Prof. Dr. Karim Fereidooni gewonnen werden, einer der renommiertesten Wissenschaftler im Bereich der Rassismusforschung im schulischen Kontext. Schulleiter Mario Schmidt begrüßte die Teilnehmenden und zeigte sich erfreut, dass aus jedem Team der Gesamtschule Kolleginnen und Kollegen anwesend waren, die das Erarbeitete als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in die Schule tragen sollen.

Fereidooni selbst war viele Jahre Lehrer für Deutsch und Sozialwissenschaften, absolvierte 2010 sein Referendariat und unterrichtete bis 2016 an Schulen, bevor er eine Professur übernahm. Heute bildet er Lehrkräfte aus, forscht zu Diversitätssensibilität, Alltagsrassismus, Antisemitismus sowie Muslimfeindlichkeit und leitete unter anderem ein von der Landesregierung NRW gefördertes Forschungsprojekt zu Antisemitismus an Schulen. Zentrale Erkenntnis daraus: Viele Lehrkräfte erkennen antisemitische oder rassistische Situationen im Schulalltag nicht – nicht aus bösem Willen, sondern aus mangelnder Vorbereitung.

Warum ist er nun nach Oelde gekommen? „Weil es Spaß macht, mit Menschen über Rassismus zu sprechen – denn wir sprechen dabei immer auch über uns selbst“, erklärte Fereidooni. Ziel der Fortbildung sei es, die professionelle Kompetenz von Lehrkräften zu erweitern, indem Rassismus benannt, reflektiert und kritisch hinterfragt wird. Offenheit und Vertraulichkeit bildeten dabei die Grundlage des Workshops.

Nach einer Vorstellungsrunde und dem Feststellen von Vorwissen folgte ein etwa 60-minütiger Input zu Rassismus und Rassismuskritik, zu Diskriminierung, „Othering“, Weißsein als politischer Kategorie sowie zu Rassismus im Klassen- und Lehrerzimmer. Fereidooni machte deutlich: Rassismus ist erlernt, geschieht oft automatisch – und kann auch wieder verlernt werden. Dafür brauche es Wissen, Selbstreflexion und konkrete Strategien für den Schulalltag. „Ich bin nicht neutral“, zitierte er die Deutsche Vereinigung für politische Bildung NRW und unterstrich, dass Lehrkräfte sich positionieren müssen.

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in Gruppen zu unterschiedlichen Mustern von Rassismus und entwickelten konkrete Maßnahmen und Strategien für die Gesamtschule Oelde. Die Ergebnisse wurden anschließend vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

Die Rückmeldungen der Teilnehmenden fielen durchweg positiv aus: Die Hemmschwelle, über Rassismus zu sprechen, sei spürbar gesunken, und viele der erarbeiteten Maßnahmen erschienen realistisch und umsetzbar – sowohl kurzfristig als auch langfristig. Mit einem kurzen Blitzlicht endete ein intensiver Fortbildungstag, der deutlich machte: Die Gesamtschule Oelde ist bereit, sich weiter auf den Weg zu machen – für Demokratie, Vielfalt und eine klare Haltung gegen Rassismus.