Am Freitag, den 23.01.2026, verwandelte sich die Aula der Gesamtschule Oelde in einen ungewöhnlichen Gerichtssaal: Das „Überall Theater“ war zu Gast und brachte Heinrich von Kleists Klassiker „Der zerbrochne Krug“ auf die Bühne – allerdings in einer ganz eigenen, modernen Inszenierung.
Das Drama gehört zu den Abiturvorgaben in NRW, doch statt einer klassischen Aufführung erlebten die Schülerinnen und Schüler der Q1 eine überraschend aktuelle und interaktive Version. Die Handlung wurde kurzerhand nach Russland verlegt, wodurch die gesellschaftskritischen Aspekte des Stücks besonders deutlich hervorgehoben wurden. Themen wie Machtmissbrauch, Korruption und Wahrheit bekamen so eine neue, greifbare Brisanz.
Auch die Figuren wurden kreativ umgedeutet: Aus Gerichtsrat Walter wurde eine Frau, aus Frau Marthe Rull wurde Herr Matze Rull – und der Schreiber Licht? Der wurde einfach durch das Publikum ersetzt. Überhaupt war das Publikum ein zentraler Teil des Geschehens. Mehrere Schülerinnen und Schüler der Q1 übernahmen spontan Rollen und ersetzten fehlende Schauspieler auf der Bühne.
Die Aufführung zeichnete sich besonders durch Witz und Aktualität aus. Kleine Insider, wie die Bezeichnung eines Bademantels als „ostwestfälischer Trachtenlook“, sorgten für Schmunzeln und machten das Stück für die Schülerinnen und Schüler besonders greifbar. Authentische Kostüme und die mitreißende Darbietung machten das Theatererlebnis zu etwas Unvergesslichem.
Ein besonderes Highlight wartete am Ende: Die Schülerinnen und Schüler durften über den Ausgang des Stücks abstimmen. Dadurch wurde deutlich, dass es im Theater nicht nur um das Zuschauen, sondern auch um Mitdenken, Mitfühlen und Mitentscheiden gehen kann.
Geleitet wird das „Überall Theater“ von Valentin Haiden, der ursprünglich aus Wien stammt. Er gründete die Theatergruppe und reist mit einem Ensemble aus zahlreichen Schauspielerinnen und Schauspielern durch ganz Deutschland. Die eindrucksvolle Darbietung, das hohe Tempo und der direkte Kontakt zum Publikum sorgten für große Begeisterung in der Q1.
Nach der Vorstellung standen die Schauspielerinnen und Schauspieler den Schülerinnen und Schülern zudem Rede und Antwort. Ihr Anliegen war klar: Theater soll nicht als verstaubt oder langweilig wahrgenommen werden, sondern als ein lebendiges, aufregendes Erlebnis. Das „Überall-Theater“ hat es geschafft, genau das zu vermitteln – ein Theaterstück, das im Gedächtnis bleibt und Lust auf mehr macht. Der Theaterbesuch zeigte insgesamt: Drama muss nicht trocken sein. In dieser modernen, gesellschaftskritischen Inszenierung wurde „Der zerbrochne Krug“ zu einem spannenden Erlebnis – und Unterrichtsstoff einmal ganz anders lebendig.



