Oder: Warum wir Blumentöpfe einfach nicht wegwerfen können
Ich habe einen Keller voll Blumentöpfe. Wirklich voll. Große, kleine, bunte, schlichte, rund, eckig – einmal quer durch alles, was Gartencenter, spontane „Oh, der ist aber schön!“-Momente und vergangene Gartenphasen so hergegeben haben. Die Hälfte davon gefällt mir heute ehrlich gesagt nicht mehr. Aber wegwerfen? Auf keinen Fall. Man könnte die ja noch gebrauchen.
Und obwohl ich ehrlicherweise ergänzen muss: Meine persönliche Erfolgsquote bei Kübelpflanzen ist… nennen wir sie ausbaufähig. Es gab Sommerblumen, die nach wenigen Wochen aussahen, als hätten sie innerlich längst gekündigt. Lavendel, der sich demonstrativ verabschiedet hat. Und Pflanzen, bei denen ich bis heute nicht sicher bin, ob sie verdurstet oder ertränkt wurden. Trotzdem stehe ich jedes Frühjahr wieder da, voller Hoffnung, mit Erde unter den Fingernägeln und dem festen Vorsatz: Dieses Jahr wird alles anders.
Denn genau das ist ja das Schöne daran. Mit bepflanzten Töpfen lassen sich Balkon, Terrasse, Hauseingang oder auch die etwas trostlose Ecke neben der Garage mit erstaunlich wenig Aufwand in kleine Wohlfühlorte verwandeln. Und anders als im Beet darf man hier wunderbar ausprobieren, umstellen, neu kombinieren – oder diskret so tun, als wäre die letzte Pflanze ganz sicher schon vorgeschädigt gewesen.
Damit das Ganze nicht nur hübsch aussieht, sondern vielleicht sogar länger lebt als eine Packung Schnittblumen, helfen ein paar einfache Grundregeln.
Das Wichtigste zuerst: Staunässe ist der natürliche Feind fast jeder Topfpflanze. Wer schon einmal voller Hoffnung wunderschöne Sommerblumen eingepflanzt hat, die kurz darauf eher traurig als tropisch aussahen, kennt das Problem. Deshalb sollte jeder Topf unbedingt ein Abflussloch haben. Ganz unten hilft eine Schicht aus Blähton oder Kies, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann. Und bitte – so verlockend es ist – nicht einfach die alte Rest-Erde aus irgendeinem halb vertrockneten Sack verwenden. Gute, frische Blumenerde macht tatsächlich einen Unterschied.
Gerade bei größeren Kübeln hilft ein kleines Gestaltungsprinzip, das fast immer funktioniert: Höhe, Fülle und etwas, das locker herunterhängt. Klingt fast wie eine Styling-Beratung, funktioniert aber auch bei Pflanzen hervorragend. Ein hohes Ziergras oder eine aufrecht wachsende Pflanze sorgt für Struktur, blühende Pflanzen bringen Farbe, und etwas Hängendes macht das Ganze lebendig.
Wer es eher modern und ruhig mag, kombiniert zum Beispiel Ziergras mit weißen Petunien und etwas Efeu. Klassischer Sommergarten-Typ? Dann dürfen Geranien, Zauberschnee oder hängende Verbenen ins Rennen. Wer mediterranes Urlaubsgefühl auf die Terrasse holen möchte, liegt mit Lavendel, kleinen Margeriten und vielleicht sogar einem Kräutertopf goldrichtig.
Und was ist mit den winzigen Töpfen? Den Kandidaten, in die gefühlt nicht einmal eine ambitionierte Gänseblümchenwurzel passt? Die bitte nicht unterschätzen. Einzeln wirken sie oft ein bisschen verloren. Zusammen arrangiert werden sie plötzlich charmant. Mehrere kleine Töpfe auf einem Tablett, in einer Holzkiste oder als kleine Gruppe auf der Fensterbank sehen oft deutlich schöner aus als ein einzelner Mini-Topf, der irgendwo sein Dasein fristet.
Ideal sind sie für Kräuter wie Basilikum, Schnittlauch oder Thymian. Auch Sukkulenten fühlen sich dort wohl – besonders bei Menschen, deren Gießverhalten zwischen „ups, vergessen“ und „ich kompensiere jetzt mal drei trockene Tage“ schwankt.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Wahrheit beim Gärtnern: Es geht nicht darum, alles perfekt zu machen. Es geht ums Ausprobieren. Ums Verschönern. Ums Hoffen. Und manchmal auch ums klitzekleine Scheitern.
Und wenn es dieses Jahr wieder nicht klappt? Nun ja. Dann versuchen wir es eben nächstes Frühjahr nochmal. Mit denselben alten Töpfen natürlich. Man könnte die ja noch gebrauchen.


