Ich schicke es besser gleich vorweg: Ich bin eine Impfbefürworterin. Ich weiß, dass über Impfungen leidenschaftlich diskutiert wird. Wenn du diesen Artikel gerade liest, grundsätzlich gegen Impfungen bist und jetzt mit mir darüber diskutieren möchtest: Lies einfach einen unserer anderen Artikel. Wir haben genug davon. 😉
Denn hier möchte ich über etwas anderes schreiben. Über Grippe. Und darüber, warum die Influenza-Impfung bei uns inzwischen genauso zum Herbst gehört wie die Frage, ob die Heizung schon wieder angestellt werden muss.
Das Jahr mit der heftigen Grippewelle
Die Grippesaison 2017/2018 war außergewöhnlich schwer. Das Robert Koch-Institut schätzte später für Deutschland rund 25.100 Todesfälle infolge der damaligen Influenza-Welle. Etwa 45.000 Menschen mussten wegen einer Influenza ins Krankenhaus.
Ich erinnere mich an diese Grippewelle allerdings aus einem ganz anderen Grund. Es war das Jahr, in dem mein jüngstes Kind mir den Schock meines Lebens verpasste. Er war noch kein Jahr alt. Abends vor dem Schlafengehen war er fit wie ein Turnschuh. Eine Stunde später schaute ich nach ihm – und da lag plötzlich ein kleines Glühwürmchen. Fieber. Und zwar richtig.
Kurz darauf lernte ich kennen, was ein Fieberkrampf ist. In medizinischen Beschreibungen klingt das erstaunlich nüchtern: Das Kind verliert das Bewusstsein, der Körper kann sich versteifen, Arme und Beine können zucken, die Augen können sich verdrehen.
Was ich gesehen habe, fühlte sich deutlich weniger nüchtern an. Ich stand vor meinem Baby, das plötzlich komplett starr wurde und für mich aussah, als würde es nicht mehr atmen. Mein Mann begann in seiner Panik mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Und ich? Stand daneben und versuchte herauszufinden, wen zum Teufel man jetzt eigentlich anrufen muss.
112. Natürlich.
Das weiß ich. Das wusste ich auch damals. Nur mein Gehirn wusste in diesem Moment offenbar gar nichts mehr. Komplett stillgelegt. Seitdem verstehe ich übrigens sehr gut, warum man empfiehlt, Notrufnummern griffbereit zu haben.
Eine Woche blieben wir im Krankenhaus. Das Fieber sank, alles schien wieder besser – und dann schoss es erneut von normal auf extrem hoch. Immer wieder. Abstriche brachten schließlich die Erklärung: Influenza. Ich hatte sie ebenfalls. Nur bestand meine persönliche Grippe-Erfahrung aus ein bisschen Unwohlsein. Mein Baby lag damit eine Woche im Krankenhaus. Erst später las ich, wie außergewöhnlich heftig diese Grippewelle tatsächlich gewesen war.
Natürlich hatte die Geschichte Folgen. Eine davon kennt vermutlich jede Mutter und jeder Vater, die einmal einen Fieberkrampf beim eigenen Kind erlebt haben: Fieber war danach nie wieder einfach nur Fieber. Da war immer dieses kleine bisschen Panik im Hinterkopf.
Die andere Folge war sehr praktisch. Ich war schon vorher grundsätzlich für Impfungen. Seit diesem Erlebnis achte ich aber darauf, dass wir als Familie rechtzeitig im Herbst unsere aktuelle Influenza-Impfung bekommen.
Und genau die ist inzwischen noch ein Stück unkomplizierter geworden. Denn für die Grippeimpfung muss man heute nicht mehr zwingend einen Termin in der Arztpraxis machen: Auch Apotheken können gegen Influenza impfen.
Warum eigentlich jedes Jahr?
Anders als bei manchen Impfungen reicht bei der Grippe nicht irgendwann einmal eine Spritze. Influenzaviren verändern sich ständig. Deshalb wird die Zusammensetzung der Grippeimpfstoffe regelmäßig an die Virusvarianten angepasst, die in der kommenden Saison voraussichtlich eine Rolle spielen werden. Der Herbst ist dabei der klassische Zeitpunkt für die Impfung. Nach der Impfung dauert es etwa zehn bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz vollständig aufgebaut hat.
Die STIKO empfiehlt die jährliche Influenza-Impfung insbesondere allen Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sowie Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen. Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen der Atemwege oder des Herz-Kreislauf-Systems, Diabetes oder Erkrankungen beziehungsweise Behandlungen, die das Immunsystem schwächen. Auch Menschen, die beruflich viel Kontakt zu anderen haben oder gefährdete Personen betreuen, können zu den Gruppen gehören, für die eine Impfung empfohlen wird.
Und natürlich bedeutet eine Impfung nicht, dass anschließend garantiert niemand an Grippe erkrankt. Sie soll vor allem das Risiko einer Erkrankung und insbesondere schwerer Verläufe verringern.
Erkältung oder echte Grippe?
„Ich habe die Grippe“ ist schnell gesagt, wenn die Nase läuft und der Hals kratzt. Eine echte Influenza kann allerdings ganz anders aussehen. Typisch ist ein häufig sehr plötzlicher Beginn. Innerhalb kurzer Zeit können hohes Fieber, starke Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl auftreten. Statt „ein bisschen erkältet“ fühlt man sich dann mitunter von jetzt auf gleich richtig krank.
Allerdings gibt es auch bei Influenza mildere Verläufe – wie mein eigenes Beispiel ziemlich eindrucksvoll gezeigt hat.
Impfen in der Apotheke
Wer sich gegen Grippe impfen lassen möchte, kann inzwischen auch bei teilnehmenden Apotheken nachfragen. Apothekerinnen und Apotheker benötigen dafür eine entsprechende Qualifikation; nicht jede Apotheke bietet die Impfung an.
Am besten erkundigt man sich deshalb vorher, ob die eigene Apotheke Grippeimpfungen durchführt, ob ein Termin notwendig ist und welche Unterlagen mitgebracht werden sollen. Für gesetzlich Versicherte, die zu den von der STIKO empfohlenen Personengruppen gehören, wird die Grippeimpfung in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Darüber hinaus übernehmen manche Krankenkassen die Kosten auch für weitere Versicherte.
Und Corona?
Auch COVID-19-Impfungen können mittlerweile in Apotheken durchgeführt werden. Die Empfehlungen haben sich allerdings verändert. Seit 2026 wird nicht mehr allen Erwachsenen regelmäßig eine Auffrischimpfung empfohlen. Eine jährliche COVID-19-Impfung im Herbst richtet sich vor allem an Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Dazu gehören insbesondere ältere Menschen und Personen mit bestimmten Grunderkrankungen.
Wer sowohl eine Grippe- als auch eine empfohlene Corona-Impfung erhalten möchte, kann grundsätzlich beide Impfungen bei einem Termin bekommen. Ein zeitlicher Mindestabstand ist bei den üblichen Influenza-Totimpfstoffen nicht notwendig.
Und damit wäre zumindest meine persönliche Herbstplanung geklärt: Wenn draußen die Blätter fallen, wird nicht nur die Heizung wieder zum Diskussionsthema. Dann ist bei uns auch Impfzeit.


