ASS – Anonyme Spurensicherung: Hilfe nach sexualisierter Gewalt

Geschrieben am 11.03.2026
von Redaktion OeldeToGo


Es gibt Momente im Leben, in denen Worte fehlen. Momente, in denen etwas passiert, das niemand erleben sollte. Sexualisierte Gewalt gehört dazu. Für Betroffene ist die Situation oft geprägt von Schock, Angst, Unsicherheit und vielen offenen Fragen: Was ist gerade passiert? Wem kann ich mich anvertrauen? Muss ich sofort zur Polizei?

Viele Menschen wissen nicht: Es gibt eine Möglichkeit, medizinische Hilfe zu bekommen und Beweise zu sichern – ohne sofort Anzeige erstatten zu müssen. Diese Möglichkeit heißt Anonyme Spurensicherung (ASS).

Hilfe – ohne Druck, eine Entscheidung treffen zu müssen

Nach einer sexualisierten Gewalttat stehen Betroffene häufig unter enormem emotionalem Druck. Manche möchten sofort zur Polizei gehen, andere brauchen Zeit, um das Geschehene überhaupt zu begreifen. Genau hier setzt die anonyme Spurensicherung an.

Ärztinnen und Ärzte untersuchen die Betroffenen medizinisch, versorgen mögliche Verletzungen und sichern Spuren – ohne dass automatisch eine Anzeige erfolgt.

Das Ziel:
Betroffene sollen Zeit für ihre Entscheidung bekommen, ohne dass wichtige Beweise verloren gehen. Die Landeskoordinierungsstelle ASS NRW beschreibt dieses Prinzip so: „Das Ziel ist es, Handlungsoptionen ohne Druck zur Verfügung zu stellen.“

Wo Betroffene aus Oelde Hilfe finden

Für Menschen aus Oelde und Umgebung  gibt es zwei  zentrale Anlaufstellen:

Für Frauen:                                                                                                                                       
St.-Franziskus-Hospital Ahlen
                                                                                                                                                                                        
Gynäkologische Abteilung                                                                                                       
Robert-Koch-Straße 55                                                                                                             
59227 Ahlen                                                                                                                                     
Tel. 02382 8580                                                                                                                            

Für Männer:
St. Elisabeth-Hospital Beckum GmbH    
Notaufnahme
Elisabethstr. 10
59269 Beckum
Tel. 02521 8410

Wichtig ist dabei ein kleines Detail:
Betroffene können einfach das Codewort „ASS“ nennen. Das Klinikpersonal weiß dann sofort, worum es geht.

Eine Anzeige bei der Polizei ist nicht notwendig, um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen.

So läuft eine anonyme Spurensicherung ab

Der Ablauf ist klar strukturiert und sensibel gestaltet:

Medizinische Untersuchung
Verletzungen werden versorgt, und es wird geschaut, ob weitere medizinische Hilfe notwendig ist.

Dokumentation und Spurensicherung
Mögliche Spuren werden fachgerecht gesichert und dokumentiert.

Anonyme Lagerung der Beweise
Die Spuren werden anonym im Institut für Rechtsmedizin in Münster aufbewahrt.

Aufbewahrung für bis zu zehn Jahre
Betroffene können später entscheiden, ob sie Anzeige erstatten möchten. Erst dann werden die Beweise an die Polizei übergeben.

Wird keine Anzeige erstattet, werden die Spuren nach zehn Jahren vernichtet.

Warum dieses Angebot so wichtig ist

Nach sexualisierter Gewalt ist schnelle medizinische Hilfe wichtig – körperlich und seelisch. Gleichzeitig fällt es vielen Betroffenen schwer, sofort rechtliche Schritte einzuleiten. Das Deutsche Institut für Menschenrechte betont deshalb, wie wichtig eine niedrigschwellige Versorgung ist: „Eine umfassende und zugängliche Versorgung unmittelbar nach der erlebten Gewalt kann gesundheitlichen Folgen vorbeugen und rechtlichen Rückhalt geben.“

Die anonyme Spurensicherung schafft genau diesen Raum: Hilfe, Schutz und Zeit für eine Entscheidung.

Wichtig zu wissen

Niemand muss diesen Weg allein gehen. Neben der medizinischen Versorgung gibt es Beratungsstellen und Hilfsangebote, die Betroffene begleiten und unterstützen – anonym und vertraulich. Und manchmal beginnt Hilfe einfach mit dem Wissen, dass es sie gibt.