„Du bist viel zu kalt angezogen! Hast du kein Unterhemd an? Und warum ist der Pullover so dünn?!“ Als Mutter hat man ja diese eingebaute Wetter- und Sorge-App. Kaum sinken die Temperaturen unter „angenehm“, läuft sie im Hintergrund auf Hochtouren. Man achtet darauf, dass der Nachwuchs gut eingepackt das Haus verlässt – Schal, Mütze, zur Sicherheit noch eine Schicht extra. Man kann eben nicht aus seiner Haut.
Was ich allerdings wirklich bemerkenswert finde: Diese Gedanken verschwinden offenbar nie. Sie scheinen sich fest und nachhaltig im Mutterhirn zu verankern. Anders kann ich mir nämlich nicht erklären, warum meine eigene Mutter mir das bis heute jedes Mal mit auf den Weg gibt. Und wer meine Artikel kennt, weiß: Ich bin sicher noch knackig – aber ganz bestimmt nicht mehr in dem Alter, in dem Mama mir erklären müsste, dass ein Unterhemd bei Frost keine schlechte Idee ist.
Tut sie trotzdem.
Aus Liebe.
Und vermutlich, weil Mütter einfach immer recht haben.
Draußen ist es kalt, drinnen schlägt dir warme Heizungsluft entgegen. Viele fragen sich dann: Schwächt dieser Wechsel unser Immunsystem? Die kurze Antwort lautet nein. Entscheidend ist etwas anderes. Unsere Schleimhäute.
Die erste Abwehr sitzt in Nase und Rachen
Unser Immunsystem arbeitet leise und zuverlässig. Besonders wichtig sind die Schleimhäute in Nase, Rachen und Bronchien. Ein feuchter Schleimfilm und feine Flimmerhärchen fangen Viren ab und transportieren sie wieder hinaus. Solange diese Schicht gut befeuchtet ist, haben Erkältungsviren schlechte Karten. Trockene Luft dagegen schwächt genau diese Schutzfunktion.
Kalte Luft draußen – was sie wirklich macht
Kälte selbst macht nicht krank. Viren tun das. Bei niedrigen Temperaturen atmen viele Menschen schneller und öfter durch den Mund. Dadurch gelangt kältere und trockenere Luft direkt in die Lunge. Fachleute wie die DAK weisen darauf hin, dass dabei der natürliche Schutz der Nase entfällt. Für Menschen mit Asthma oder chronischen Atemwegserkrankungen kann das die Beschwerden deutlich verstärken.
Warme Räume, trockene Luft – das eigentliche Problem
Überheizte Innenräume sind ein ideales Umfeld für Erkältungsviren. Die Deutsche Lungenstiftung warnt, dass trockene Heizungsluft Schleimhäute austrocknet. Sie verlieren ihre Schutzwirkung. Gleichzeitig bleiben Krankheitserreger länger in der Luft. Regelmäßiges Lüften ist deshalb ein wichtiger Schutzfaktor.
Temperaturwechsel: Stress für die Schleimhäute
Der schnelle Wechsel zwischen kalt und warm fordert vor allem unsere Schleimhäute. Sie müssen sich ständig anpassen. Es gibt aber keinen Beleg dafür, dass ein einzelner Temperaturwechsel das Immunsystem lahmlegt. Entscheidend sind der Kontakt mit Viren, der Zustand der Schleimhäute und Faktoren wie Schlaf, Stress und Vorerkrankungen.
Was du praktisch tun kannst
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Räume moderat heizen, etwa 19 bis 21 Grad.
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Regelmäßig stoßlüften und eine Luftfeuchtigkeit von 40 bis 60 Prozent anstreben. Die Luftfeuchtigkeit checken: Ein kleines Hygrometer zeigt, ob 40–60 % Luftfeuchte erreicht werden. Bei zu trockener Luft empfehlen Apotheken oft Luftbefeuchter oder einfache Lösungen wie feuchte Tücher auf der Heizung.
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Ausreichend trinken, Nasenschleimhäute feucht halten.
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Draußen möglichst durch die Nase atmen, bei Kälte Schal oder Tuch nutzen.
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Bewegung an der frischen Luft stärkt die Abwehr, solange du nicht auskühlst.
Nicht kalt oder warm macht krank, sondern trockene Luft und enge Kontakte. Gut befeuchtete Schleimhäute sind unsere wichtigste Schutzbarriere. Wer richtig lüftet, moderat heizt und auf sich achtet, stärkt seine natürliche Abwehr.
Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Beratung. Bei anhaltenden Beschwerden oder Unwohlsein wenden Sie sich bitte an medizinisches Fachpersonal.
Quellen
Dich interessiert das Thema und du möchtest weitere Informationen? Dann schau hier:
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Infektionskrankheiten vorbeugen
Deutsche Lungenstiftung e.V. und Lungenärzte im Netz, Heizungsluft und Atemwege
Apotheken Umschau, Schnupfen und Nasenschleimhäute
DAK-Gesundheit, Patientenmagazin fit!
Universität Bonn, Universität Freiburg, Informationen zu Atemwegsinfektionen




