Von der Hauptschule zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Geschrieben am 13.05.2026
von Redaktion OeldeToGo


Bei der Arbeit im Laserlabor (Credit: © DLR. Alle Rechte vorbehalten.).


Vom Hauptschulabschluss in Oelde zum Laserexperte beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und eine Mission für das Weltall: Stefans* Weg zeigt, dass beruflicher Erfolg nicht unbedingt geradlinig verlaufen muss. Im Interview spricht er über Umwege, Zweifel und die Kraft, immer wieder neu anzufangen  und warum nicht der Schulabschluss, sondern Begeisterung und der eigene Wille entscheidend für die berufliche Laufbahn sind. 

(*Name von der Redaktion aus Datenschutzgründen geändert)

Stefan, du bist in Oelde aufgewachsen und arbeitest nun beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Ulm. Was machst du da genau?

Stefan: “Ich arbeite in einem Laserlabor an einem Lasersystem, das in Satelliten zum Einsatz kommt. Unser Team forscht daran, dass solche Instrumente unter Weltraumbedingungen einwandfrei funktionieren.”

Dein sprichwörtlicher Weg bis in das Labor beim DLR war alles andere als geradlinig. Mit welchem Schulabschluss bist du in dein Berufsleben gestartet?

Stefan: ”Ich hatte einen eher mittelmäßigen Hauptschulabschluss nach der 10. Klasse und war richtig froh, endlich mit der Schule fertig zu sein. Ich denke, dass ich ein kein so guter Schüler war, da ich ungerne Hausaufgaben gemacht oder mich nicht gut genug auf Tests vorbereitet habe.”


Die Ausbildung war für mich ein großer Schritt in Richtung Freiheit.

Nach deinem Hauptschulabschluss hast du eine Ausbildung als Werkzeugmechaniker bei einem Unternehmen hier in der Region gemacht. Was hat dir die Ausbildung gegeben, was die Schule dir vorher nicht geben konnte?

Stefan: “Die Ausbildung war für mich ein großer Schritt in Richtung Freiheit. Ich konnte etwas machen, was mir Spaß gemacht hat und in dem ich einen Sinn gesehen habe.”

Nach der Ausbildung und den ersten Jobs, gab es damals einen Moment, wo du dachtest: „Ich will mehr, das reicht mir nicht“?

Stefan: “Irgendwann wollte ich mich weiterentwickeln, vielleicht nicht mehr nur in der Werkstatt oder der Fertigung arbeiten, sondern auch im Büro. Deswegen habe ich mich erkundigt, welche Weiterbildungsmöglichkeiten es gibt, die auf meine Ausbildung aufbauen. Es kamen eigentlich nur die Weiterbildung zum Meister oder zum Techniker infrage.”

Plötzlich wieder Vollzeit-Schüler - Warum? Woher kam plötzlich der Wille dazu?

Stefan: “Ich bin früher nicht gerne zur Schule gegangen, daher war meine Entscheidung, wieder zur Schule zu gehen und die Technikerausbildung sowie mein Fachabitur zu machen, ein großer Schritt und auch ein Wagnis. Ich war aber sehr positiv überrascht. Das war für mich eigentlich auch das erste Mal, dass ich regelmäßig gelernt und im Unterricht mitgearbeitet habe. Ich wollte Neues lernen und mich weiterentwickeln.”


Ich wollte Neues lernen und mich weiterentwickeln.


Bild: privat


Nach dem Techniker und dem Fachabitur sowie mehreren Stationen in unterschiedlichen Unternehmen hast du dich dann für das Studium der Physikalischen Technik mit dem Schwerpunkt Lasertechnik in Steinfurt entschieden. Du hast einen Master in Photonik und bist inzwischen als wissenschaftlicher Mitarbeiter beschäftigt.

Dein beruflicher Werdegang, Stefan, ist vermutlich nicht der klassische Weg eines Forschers und dennoch war jede Abzweigung ein wichtiger Meilenstein. Wenn du an dein 16-jähriges Ich mit dem Hauptschulabschluss in der Tasche denkst: Was braucht man deiner Meinung nach mehr - Talent oder Durchhaltevermögen? Gab es Momente, in denen du nahezu verzweifelt bist?

Stefan: “Talent oder Durchhaltevermögen sind, glaube ich, beide nicht unbedingt die richtigen Begriffe in diesem Zusammenhang. Ich glaube, es ist viel wichtiger, dass man einen Beruf ausüben kann, der einem Spaß macht und in dem man einen Sinn erkennt. Auf kürzere Sicht muss man im Leben natürlich immer wieder Durchhaltevermögen zeigen.

Es gab einige Momente in meinem Leben, in denen ich hätte verzweifeln können. Das Beste ist: Ich habe sie alle erfolgreich hinter mich gebracht.”

Was würdest du Jugendlichen sagen, die ganz am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn stehen?

Stefan: “Meine persönliche Botschaft ist, dass man einfach einmal anfangen sollte. Für gewöhnlich weiß man mit 16 oder 18 noch nicht genau, was man machen möchte. Das ist auch okay. Ich denke, es kann auch sinnvoll sein, sich im Laufe der Jahre neu zu orientieren, als in einem Beruf festzustecken, der einem nicht so viel Spaß macht. 

Und vielleicht muss man auch einfach einen Schritt zurückgehen, um eine neue Sicht auf das, was man tut und was man gerne machen möchte, zu erhalten.”

Was können Eltern tun, um ihre Kinder auf ihrem Weg zu unterstützen – egal wie der aussieht?

Stefan: “Eltern sollten schon möglichst früh die wirklichen Interessen der Kinder fördern. Nur weil der Vater zum Beispiel im Bankwesen und die Mutter als Lehrerin arbeitet, heißt das nicht, dass die Kinder ebenfalls studieren müssen.

Wenn das Kind – oder sagen wir der junge Erwachsene – liebend gerne Gartenarbeit verrichtet, warum sollte er dann nicht Gärtner werden? Vielleicht wird man ja überrascht, und aus dem Gärtner wird später ein Botaniker, der durch die Welt reist.”

Stefan, ganz lieben Dank, dass du dir Zeit genommen und uns von deinem beruflichen Weg berichtet hast.


Ich glaube, es ist viel wichtiger, dass man einen Beruf ausüben kann, der einem Spaß macht und in dem man einen Sinn erkennt.


Credit: © Adobe Stock.