Welche Berufe passen zu Mädchen? Welche zu Jungen? Tabea Schröer sagt klar: Diese Frage sollte heute keine Rolle mehr spielen. Sie ist Projektleiterin in der Bundeskoordinierungsstelle des Girls’Day und Boys’Day. Im Gespräch mit OeldeToGo erklärt sie, warum Berufswahl frei von Klischees sein sollte.
Prägung beginnt früh
Viele Vorstellungen entstehen schon in der Kindheit. Mädchen bekommen oft Puppen oder Spielküchen. Jungen eher Baukästen. So lernen Kinder früh, welche Tätigkeiten angeblich zu ihnen passen.
Tabea Schröer betont: „Das hat nichts damit zu tun, dass Mädchen oder Jungen etwas besser oder schlechter können.“ Entscheidend sei, welche Erfahrungen Kinder machen und worin sie bestärkt werden.
Warum klischeefreie Berufswahl wichtig ist
Berufswahl sollte sich nach Interessen und Fähigkeiten richten. Nicht nach Geschlechterrollen. Das ist für junge Menschen wichtig. Es hilft aber auch dem Arbeitsmarkt.
Viele Berufe mit starkem Fachkräftemangel sind noch immer sehr einseitig besetzt. In der Sanitär, Heizungs und Klimatechnik liegt der Frauenanteil laut Schröer bei nur 0,4 Prozent. Auch soziale und erzieherische Berufe brauchen mehr Vielfalt.
Aktionstage zum Ausprobieren
Der Girls’Day gibt Mädchen Einblicke in Berufe, in denen Frauen bisher selten vertreten sind. Der Boys’Day macht das Gleiche für Jungen in Berufen mit geringem Männeranteil. Den Girls’Day gibt es seit 2001, den Boys’Day seit 2011.
Wichtig ist das praktische Erleben. Jugendliche sollen nicht nur zuhören, sondern ausprobieren. Sie können schweißen, forschen, pflegerische Abläufe kennenlernen oder bei einem Beruf direkt über die Schulter schauen.
„Einfach ausprobieren“
rät Tabea Schröer jungen Menschen. Auch die Erkenntnis „Das ist nichts für mich“ sei wertvoll.
Offen für alle Jugendlichen
Auch nichtbinäre, trans und genderqueere Jugendliche können am Aktionstag teilnehmen. Sie dürfen frei wählen, welches Angebot sie interessiert. Schröer sagt aber auch, dass das bestehende System weiterentwickelt werden müsse.
Der Girls’Day und Boys’Day zeigen jungen Menschen neue Wege. Sie machen Mut, Berufe nach Interesse zu wählen. Nicht nach alten Rollenbildern. Wer ausprobiert, entdeckt oft mehr über sich selbst.