"Losing my job… is not my choice!"
Immer wenn ein neuer Film vom Oldboy-Macher Park Chan-wook angekündigt wird, bin ich sofort auf dem Hypetrain. Es gibt Regisseure den vertraut man einfach. Egal was er bisher angepackt hat– man weiß, dass am Ende etwas Eigenständiges dabei herauskommt. Seine Filmografie ist mittlerweile beeindruckend vielfältig. Da ist natürlich zuerst Oldboy, für mich persönlich der wahrscheinlich beste Film überhaupt – ein wilder, tragischer, vollkommen kompromissloser Rachefilm, der bis heute nichts von seiner Wucht verloren hat. Aber auch Filme wie The Handmaiden, Thirst oder Decision to Leave zeigen, wie vielseitig Park als Filmemacher ist. Mal opulent und verspielt, mal düster und brutal, mal beinahe romantisch – aber immer mit einer ganz eigenen Handschrift.
Mit No Other Choice schlägt er wieder eine etwas andere Richtung ein. Der Film wirkt auf den ersten Blick fast zurückhaltend, zumindest für seine Verhältnisse. Keine große stilistische Eskalation, keine barocken Bildkompositionen im Minutentakt. Stattdessen baut sich die Spannung hier viel subtiler auf. Und genau das macht den Film so interessant.
Die Fakten: Erscheinungsjahr: 2025, Laufzeit: 139 min, Genre: Drama, FSK: ab 16
Die Story: Im Zentrum steht ein Mann, der nach vielen Jahren plötzlich seinen Job verliert. Ein Schock, der zunächst wie eine persönliche Krise wirkt, sich aber schnell zu einem existenziellen Problem auswächst. Je länger die Arbeitssuche dauert, desto größer wird der Druck – finanziell, gesellschaftlich, psychologisch. Irgendwann kommt der Moment, an dem er beginnt zu glauben, dass der einzige Weg zurück in ein normales Leben darin besteht, seine Konkurrenz aus dem Weg zu räumen. Eine absurde, düstere Idee – die in seinem Kopf langsam zu einer realen Möglichkeit wird.
Was mir beim Schauen besonders aufgefallen ist: Wie kontrolliert der Film inszeniert ist. Park Chan-wook lässt sich Zeit. Die Kamera beobachtet viel, bleibt ruhig, gibt den Figuren Raum. Dadurch entsteht eine ganz eigene Spannung. Nicht dieses klassische Thriller-Gefühl, bei dem ständig etwas passiert, sondern eher ein langsames abdriften. Man merkt, dass sich etwas zusammenbraut, auch wenn man noch nicht genau sagen kann, wohin das Ganze führt.
Auch die Figuren sind typisch für Parks Kino: Niemand ist eindeutig gut oder böse. Alle bewegen sich irgendwo dazwischen. Menschen, die versuchen, Entscheidungen zu treffen, während sie gleichzeitig von Erwartungen, Hierarchien und persönlichen Schwächen eingeholt werden. Gerade diese moralische Grauzone macht den Film spannend.
Was No Other Choice außerdem stark macht, ist seine Atmosphäre. Viele Szenen leben von kleinen Momenten – ein Blick, eine Pause, ein Gespräch, das plötzlich unangenehm wird. Es wird nicht alles erklärt, vieles bleibt offen. Man muss als Zuschauer ein bisschen mitdenken, zwischen den Zeilen lesen. Das ist vielleicht nicht immer bequem, aber gerade deshalb bleibt der Film im Kopf.
Natürlich ist das kein Film, der jeden sofort abholt. Wer bei Park Chan-wook die große stilistische Eskalation erwartet oder einen schnellen harten Thriller mit klaren Antworten, wird hier vielleicht überrascht sein. No Other Choice ist ruhiger, nachdenklicher und deutlich reduzierter erzählt.
Aber genau das macht ihn interessant. Es ist ein Film über Druck, über Entscheidungen und darüber, wie schnell sich das Gefühl einschleichen kann, dass man irgendwann tatsächlich keine andere Wahl mehr hat.
Und nun würde ich sagen, bleibt euch auch keine andere Wahl als den Film zu schauen. Und Hände weg von den Blumentöpfen.
Herzlichst Sebastian