Zumindest war ich davon fest überzeugt. Klar, manchmal wache ich morgens auf und mein Mann sieht aus, als hätte er die Nacht auf einer Parkbank verbracht. Aber das muss ja nichts heißen. Vielleicht war ihm zu warm. Vielleicht hat ihn die Katze geweckt. Vielleicht war Vollmond. Denn ich selbst schnarche natürlich nicht. Allenfalls ganz reizende kleine Schnauferchen. So niedlich, dass mein Mann sie eigentlich als beruhigende Hintergrundmusik empfinden sollte. Dachte ich. Bis zu dem Tag, an dem er mir eine Handyaufnahme vorspielte.
Ich möchte an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen, welche Geräusche dort zu hören waren. Sagen wir einfach: Es klang nicht nach einem friedlich schlummernden Waldtier. Eher nach einer Mischung aus defekter Kaffeemaschine, startendem Rasenmäher und einem Walross mit Erkältung. Nachdem ich zunächst die Echtheit der Aufnahme angezweifelt und kurz den Verdacht geäußert hatte, er habe das Ganze mit Hilfe künstlicher Intelligenz manipuliert, musste ich schließlich akzeptieren: Ja. Das bin ich.
Und damit stellte sich die Frage, die viele Menschen irgendwann beschäftigt: Ist Schnarchen eigentlich nur lästig oder sollte man etwas dagegen tun?
Nicht jedes Schnarchen ist harmlos
Tatsächlich schnarchen viele Menschen. Oft ist das vor allem ein Problem für die Person, die daneben liegt. Manchmal steckt jedoch mehr dahinter. Wenn zusätzlich Atemaussetzer auftreten, man morgens wie gerädert aufwacht, tagsüber ständig müde ist oder unter Konzentrationsproblemen leidet, kann eine sogenannte Schlafapnoe die Ursache sein. Dabei kommt es während des Schlafs immer wieder zu kurzen Atemstillständen. Langfristig kann das unter anderem das Risiko für Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle erhöhen.
Wer solche Beschwerden bemerkt oder von seinem Partner auf Atempausen hingewiesen wird, sollte das ärztlich abklären lassen.
Die Schnarchschiene: wirkungsvolles Prinzip
Eine mögliche Behandlung ist die sogenannte Unterkieferprotrusionsschiene – im Alltag meist einfach Schnarchschiene genannt. Sie wird nachts getragen und schiebt den Unterkiefer leicht nach vorne. Dadurch werden Zunge und Weichteile im Rachen stabilisiert und die Atemwege bleiben besser geöffnet. Das Schnarchen kann dadurch deutlich reduziert werden.
Das Prinzip klingt erstaunlich einfach, ist aber medizinisch gut untersucht. Besonders bei einfachem Schnarchen und bei leichter bis mittelgradiger Schlafapnoe kann die Schiene eine wirksame Therapie sein.
Keine Lösung von der Stange
Wer jetzt an einen schnellen Online-Kauf denkt, sollte vorsichtig sein. Eine hochwertige Schnarchschiene wird individuell vom Zahnarzt angepasst. Vor der Behandlung werden Zähne, Zahnfleisch, Kiefergelenke und die Beweglichkeit des Unterkiefers untersucht. Anschließend werden Abdrücke oder digitale Scans erstellt. Auf dieser Grundlage fertigt ein zahntechnisches Labor die Schiene passgenau an. Nach dem Einsetzen wird die Schiene meist schrittweise eingestellt. Ziel ist es, die Atemwege möglichst weit offen zu halten, ohne Kiefergelenke und Muskulatur unnötig zu belasten. Viele Patienten berichten bereits nach kurzer Zeit über ruhigere Nächte – und ihre Partner oft gleich mit.
Ob und wie gut sich die nächtliche Situation verändert, lässt sich heute übrigens auch selbst ein Stück weit beobachten. Moderne Fitnesstracker und Smartwatches, etwa eine Apple Watch oder Garmin-Uhr, können je nach Modell verschiedene Schlaf- und Gesundheitsdaten erfassen. So lassen sich Veränderungen im Verlauf zumindest grob nachvollziehen. Sie ersetzen jedoch keine medizinische Diagnostik oder Kontrolle: Insbesondere bei einer Schlafapnoe sollte der Therapieerfolg weiterhin ärztlich beziehungsweise schlafmedizinisch überprüft werden.
Somnodent flex
Was kostet eine Schnarchschiene?
Die Kosten hängen vom verwendeten System, dem Laboraufwand und den notwendigen Kontrollterminen ab. Für eine individuell angefertigte Schiene müssen Patienten häufig mit Kosten zwischen etwa 800 und 2.000 Euro rechnen. Wer die Schiene ausschließlich gegen gewöhnliches Schnarchen nutzen möchte, muss diese Kosten meist selbst tragen.
Wann zahlt die Krankenkasse?
Seit 2021 gehört die Unterkieferprotrusionsschiene unter bestimmten Voraussetzungen zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Voraussetzung ist in der Regel:
- eine diagnostizierte obstruktive Schlafapnoe,
- eine schlafmedizinische Untersuchung,
- eine ärztliche Verordnung,
- und die Feststellung, dass andere Therapieformen – insbesondere eine Atemmaske (CPAP) – nicht geeignet sind oder nicht ausreichend vertragen werden.
Ob die Kosten übernommen werden, wird immer im Einzelfall geprüft.
Und was ist mit der Zahnzusatzversicherung?
Wer eine Schiene ausschließlich gegen Schnarchen benötigt, sollte auch einen Blick in seine Zahnzusatzversicherung werfen. Einige Tarife beteiligen sich an den Kosten für bestimmte Schienenbehandlungen oder übernehmen zumindest einen Teil der Ausgaben. Ob und in welcher Höhe eine Erstattung möglich ist, hängt allerdings vom jeweiligen Vertrag ab. Eine Nachfrage bei der Versicherung kann sich daher lohnen.
Gibt es Nebenwirkungen?
Wie jede medizinische Behandlung ist auch eine Schnarchschiene nicht völlig frei von Nebenwirkungen. Vor allem zu Beginn können auftreten:
- Mundtrockenheit
- vermehrter Speichelfluss
- Druckgefühl an den Zähnen
- Muskelverspannungen
- Kiefergelenkbeschwerden
Deshalb sind regelmäßige Kontrolltermine wichtig. In seltenen Fällen können sich langfristig sogar Zahnstellung oder Biss verändern.
Wer nachts sägt, sollte genauer hinhören
Nicht jedes Schnarchen muss behandelt werden. Wer jedoch regelmäßig laut schnarcht, Atemaussetzer hat oder morgens trotz ausreichender Schlafdauer erschöpft aufwacht, sollte die Ursache abklären lassen.
Und falls Sie jetzt überlegen, Ihren Partner heimlich nachts aufzunehmen: Tun Sie es ruhig.Die Chancen stehen gut, dass die betreffende Person am nächsten Morgen genau das sagt, was ich damals gesagt habe: „Das kann unmöglich ich gewesen sein.“