Der Winter liegt hinter uns – und damit hoffentlich auch diese vermaledeite Zeit aus Rotznasen, Hustenkonzerten und diesem familiären Dauerzustand zwischen Taschentuchbergen, Teeproduktion in Großküchenmengen und dem regelmäßigen Gedanken: Wer hustet da jetzt schon wieder? Die Hoffnung war jedenfalls groß. Endlich durchatmen. Endlich raus. Endlich kein Gekeuche mehr – weder bei Kind noch Kegel und bitte auch nicht bei mir.
Wären da nicht diese schicken kleinen Dinger, die sich Pollen schimpfen.
Denn kaum wird es draußen schön, beginnt für viele direkt die nächste Staffel des persönlichen Leidenswegs. Nur diesmal ohne Virus. Dafür mit Niesattacken aus dem Nichts, tränenden Augen, einer Nase mit Eigenleben und dieser bleiernen Müdigkeit, bei der man sich fragt, warum man sich eigentlich fühlt, als hätte man drei Nächte durchgefeiert – obwohl man nur kurz den Garten betreten hat. Und weil geteiltes Leid ja bekanntlich halbes Leid ist (wer hat sich das eigentlich ausgedacht?), betrifft das Thema bei uns natürlich auch direkt einen Teil des Nachwuchses.
Gar nicht immer so leicht zu unterscheiden, ob da noch eine Erkältung nachhängt oder ob längst die Allergiesaison angeklopft hat. Denn die Symptome ähneln sich durchaus: laufende Nase, Husten, gereizte Atemwege, allgemeines Genervtsein. Der Unterschied? Eine Erkältung verabschiedet sich irgendwann wieder. Eine Pollenallergie kommt dagegen gerne zuverlässig zurück – jedes Jahr. Wie ein ungeliebter Bekannter, der ungefragt vor der Tür steht.
Bei einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem auf eigentlich harmlose Blütenpollen, als hätte gerade eine ernsthafte Bedrohung das Haus betreten. Der Körper startet Alarmmodus, schüttet Histamin aus – und wir niesen um unser Leben. Typisch sind juckende oder tränende Augen, eine laufende oder komplett verstopfte Nase, Niesanfälle, Kratzen im Hals, Husten und nicht selten eine Müdigkeit, die einen komplett aus dem Tritt bringt.
Falls Sie übrigens das Gefühl haben, dass früher irgendwie weniger Menschen davon betroffen waren: Damit sind Sie nicht allein. Experten gehen davon aus, dass auch der Klimawandel eine Rolle spielt. Mildere Winter sorgen dafür, dass Pflanzen früher loslegen, wärmere Temperaturen verlängern die Pollensaison – und manche Umweltfaktoren machen die kleinen Übeltäter offenbar sogar noch aggressiver. Übersetzt: längere Saison, mehr Beschwerden, weniger Freude.
Ganz grob beginnt der Spaß oft schon früh im Jahr mit Hasel und Erle. Im Frühjahr übernimmt gerne die Birke, aktuell sind häufig die Gräser unterwegs – also genau die Kandidaten, die vielen Betroffenen besonders viel Freude bereiten. Im Spätsommer kommen dann gerne noch Beifuß und Ambrosia dazu. Kurz gesagt: Irgendwas fliegt eigentlich fast immer.
Die gute Nachricht: Niemand muss sich heldenhaft durch die Pollensaison kämpfen.
Je nachdem, wie stark die Beschwerden sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Symptome in den Griff zu bekommen. Klassische Antihistaminika können helfen, die allergische Reaktion des Körpers abzuschwächen, indem sie die Wirkung des Histamins blockieren. Manche machen müde, andere sind inzwischen deutlich alltagstauglicher. Was sinnvoll ist, hängt aber auch davon ab, wie stark die Beschwerden sind und wann sie auftreten.
Dazu kommen spezielle Nasensprays, die gereizte Schleimhäute beruhigen und abschwellen lassen, sowie Augentropfen gegen Jucken und Brennen. Wer jetzt spontan denkt: Dann nehme ich einfach irgendwas aus der Drogerie und hoffe auf das Beste, dem sei gesagt: Nicht jedes Mittel passt zu jedem Menschen – und schon gar nicht alles sinnvoll zusammen. Genau deshalb sind Apotheken vor Ort oft eine richtig gute erste Anlaufstelle. Nicht jeder braucht direkt einen Arzttermin, aber eine gute Beratung kann helfen, unnötige Fehlkäufe, frustrierende Selbstversuche oder ungeeignete Medikamente zu vermeiden. Gerade wenn Symptome neu auftreten, sich verändern oder Kinder betroffen sind, lohnt sich der kurze Weg in die Apotheke. Lieber einmal gezielt beraten lassen als sich tagsüber versehentlich mit dem falschen Medikament in einen schläfrigen Zombie zu verwandeln.
Im Alltag helfen oft schon kleine Dinge erstaunlich gut. Das Schlafzimmer zum Beispiel ist für Allergiker nicht unbedingt der beste Ort für eine Pollensammlung. Bettwäsche darf in der Saison deshalb ruhig häufiger gewechselt werden. Wer tagsüber draußen unterwegs war – oder Kinder hat, die einmal quer durch Wiese, Gebüsch und Spielplatz getobt sind – sollte die Haare abends möglichst waschen, damit die halbe Natur nicht mit ins Bett wandert. Getragene Kleidung gehört möglichst nicht direkt ins Schlafzimmer. Und auch wenn frisch duftende Wäsche im Garten nach Frühling pur klingt: Für Allergiker ist draußen trocknen leider eher eine Einladung an die Pollen, direkt mit einzuziehen.
Fenster dauerhaft auf Kipp? Ebenfalls eher keine brillante Idee. Lieber gezielt lüften. Und wer viel Auto fährt: Ein sauberer Innenraumfilter kann mehr Lebensqualität bringen, als man denkt.
Und jetzt kommt der Teil, den ich aus eigener Erfahrung wirklich nicht auf die leichte Schulter nehmen würde.
Denn ja – Allergien nerven. Aber sie sind nicht immer harmlos.
Wir haben das selbst auf die harte Tour gelernt. Was zunächst nach einem „Ach, das ist bestimmt nur Husten“ aussah, endete am Ende mehrere Tage im Krankenhaus, weil aus der allergischen Reaktion ein asthmatisches Problem geworden war. Deshalb: Wenn Beschwerden immer wiederkehren, frei verkäufliche Mittel kaum helfen oder die Symptome stärker werden, sollte das ärztlich abgeklärt werden. Spätestens bei pfeifender Atmung, Atemnot, Engegefühl in der Brust, starkem Husten oder wenn Kinder auffällig schlapp wirken, ist Schluss mit Selbstversuchen.
Gerade bei Kindern verschwimmt die Grenze zwischen „ein bisschen Allergie“ und „das schauen wir uns besser mal an“ manchmal schneller, als einem lieb ist.
Und wenn jedes Frühjahr zuverlässig dieselbe Leidensgeschichte startet? Dann lohnt sich ebenfalls ein Arztbesuch. Denn vielleicht steckt mehr dahinter – oder es gibt mit einer sogenannten Hyposensibilisierung, vielen besser bekannt als Allergie-Impfung, eine langfristige Lösung.
Mein persönliches Fazit?
Ich hatte wirklich gehofft, wir wären mit der Seuchensaison erstmal durch. Stattdessen stehe ich jetzt wieder da, bewaffnet mit Taschentüchern, dem prüfenden Blick Richtung Wetter-App und der leisen Sorge, welches Familienmitglied heute als Erstes losschnieft.
Frühling. Herrlich.