Marienhospital: VOLT setzt auf Dialog und neue Perspektiven statt Forderungen

Geschrieben am 12.09.2026
von Uli Schwieder


Während nach der angekündigten Schließung des stationären Betriebs des Marienhospitals zahlreiche politische Forderungen an die Katholische Hospitalvereinigung Ostwestfalen (KHO) gerichtet wurden, hat sich die VOLT-Fraktion bewusst zunächst zurückgehalten. Die Fraktion wollte nach eigenen Angaben zunächst klären, welche Einflussmöglichkeiten die Kommunalpolitik tatsächlich besitzt – und welche nicht.
„Die Schließung trifft Oelde hart. Trotzdem hilft es niemandem, politische Handlungsmöglichkeiten vorzutäuschen, die wir schlicht nicht haben“, erklärt Fraktionsvorsitzender Uli Schwieder. Die Stadt könne die KHO nicht anweisen, einen wirtschaftlich nicht mehr tragfähigen stationären Krankenhausbetrieb fortzuführen. Die KHO begründet ihre Entscheidung unter anderem mit sinkenden Fallzahlen, eingeschränkten Leistungsgruppen, hohen Investitionsbedarfen und erheblichen Verlusten. Der stationäre Betrieb soll zum 31. Dezember 2026 enden.
Für VOLT bedeutet diese Realität allerdings nicht, den Gesundheitsstandort Oelde aufzugeben. Im Gegenteil: Gerade jetzt müsse die Frage gestellt werden, was nach dem Krankenhaus kommen kann.
Das MVZ als möglicher Anknüpfungspunkt
Ein wichtiger Ausgangspunkt könnte dabei das bereits bestehende Medizinische Versorgungszentrum sein. Die KHO selbst hat öffentlich angekündigt, auch nach der Einstellung des stationären Betriebs ein Gesundheitsangebot in Oelde erhalten und weiterentwickeln zu wollen. Dabei nennt sie ausdrücklich ambulante Angebote und das bestehende MVZ.
VOLT hat hierzu zusätzlich den direkten Kontakt zur KHO gesucht. Nach Angaben der Fraktion habe KHO-Geschäftsführer Matthias Bitter nochmals bestätigt, dass das MVZ dauerhaft erhalten werden solle. Auch bei einem späteren Ausscheiden der derzeit dort tätigen Ärzte sei vorgesehen, die entsprechenden Arztsitze nachzubesetzen.
„Diese Aussage ist für uns wesentlich“, sagt Schwieder. „Denn damit bleibt etwas bestehen, auf dem man aufbauen kann. Unsere Aufgabe sollte jetzt nicht sein, das ehemalige Krankenhaus möglichst originalgetreu in kleinerer Form nachzubauen. Wir sollten vielmehr offen überlegen, welche medizinische Versorgung Oelde künftig tatsächlich braucht und was sich rund um das bestehende MVZ sinnvoll entwickeln lässt.“
Gerade deshalb möchte VOLT die KHO nicht nur als Adressaten politischer Forderungen betrachten, sondern weiterhin als möglichen Partner für die Zukunft des Gesundheitsstandortes. „Natürlich müssen Entscheidungen kritisch hinterfragt werden dürfen“, so Michael Twittmann. „Aber wenn wir nach dem 31. Dezember etwas Neues für Oelde entwickeln wollen, werden wir Kooperation eher brauchen als Konfrontation.“
Neue Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten prüfen
Hinzu kommt, dass sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Krankenhausversorgung derzeit grundlegend verändern. Die Krankenhausreform eröffnet Möglichkeiten, bisherige Krankenhausstrukturen umzubauen und neue Versorgungsformen zu entwickeln. Gleichzeitig stehen seit 2026 Mittel aus dem Krankenhaus-Transformationsfonds zur Verfügung, mit denen Strukturveränderungen in der Krankenhauslandschaft unterstützt werden können. Der Fonds läuft bis 2035.
Ob daraus für den Standort Oelde tatsächlich eine tragfähige Perspektive entsteht, lässt VOLT ausdrücklich offen. Dafür seien zahlreiche Fragen zu klären: Welche medizinischen Angebote werden künftig vor Ort benötigt? Welche Akteure könnten sie tragen? Welche Rolle kann das bestehende MVZ spielen? Welche Fördermöglichkeiten kommen überhaupt infrage – und welche Modelle wären langfristig finanzierbar?
„Wir wollen an dieser Stelle bewusst keine fertige Lösung verkaufen“, betont Schwieder. „Vielleicht ergibt die fachliche Prüfung am Ende, dass bestimmte Ideen für Oelde nicht funktionieren. Dann muss man das akzeptieren. Aber es gibt neue rechtliche und finanzielle Möglichkeiten – und deshalb wäre es aus unserer Sicht falsch, sie nicht zumindest systematisch zu untersuchen.“
In diesen Prozess sollten nach Vorstellung der Fraktion neben der KHO und der Stadt auch medizinische Fachleute, die Ärzteschaft vor Ort, der Förderverein des Marienhospitals sowie Akteure aus Politik und Verwaltung einbezogen werden. Gerade der Förderverein verfüge über eine lange Verbindung zum Standort und könne eine wichtige Perspektive in die Diskussion einbringen. Gleichzeitig begrüßt VOLT ausdrücklich, dass sich auch andere Fraktionen um Lösungen bemühen und ihre Kontakte und Einflussmöglichkeiten – etwa auf Landesebene – nutzen wollen. „Wenn verschiedene politische Kräfte ihre Möglichkeiten einbringen, um für Oelde etwas zu erreichen, ist das ausdrücklich zu begrüßen. Auch wir wollen unseren Beitrag dazu leisten“, so Schwieder.
Für Schwieder liegt darin der entscheidende Unterschied zwischen politischem Wunsch und politischer Gestaltung: „Wir hätten uns auch sofort hinstellen und fordern können, dass irgendjemand das Krankenhaus erhalten muss. Wir haben bewusst darauf verzichtet, weil wir zuerst wissen wollten, was überhaupt realistisch ist. Jetzt wissen wir: Das klassische Krankenhaus wird nicht bleiben. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Oelde als Gesundheitsstandort keine Zukunft hat. Jetzt sollten wir mit der KHO, dem MVZ, den Fachleuten und den Menschen vor Ort herausfinden, was tatsächlich möglich ist – ergebnisoffen, pragmatisch und ohne falsche Versprechungen.