Hausärztliche Versorgung: Jetzt sollen die Praktiker einen Plan für Oelde entwickeln

Geschrieben am 02.09.2026
von Uli Schwieder


Rund 30 Interessierte sind am Mittwochabend der Einladung von VOLT Oelde zur Informations- und Dialogveranstaltung über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung gefolgt. Neben Bürgerinnen und Bürgern beteiligten sich zahlreiche Haus- und Kinderärzte intensiv an der Diskussion. Als Referent gab Dr. Jan Meiners, 1. Bezirksvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Westfalen-Lippe, einen Einblick in die aktuelle Situation und die Entwicklung der kommenden Jahre.

Seine Prognose machte deutlich: Die Herausforderung dürfte sich erheblich verschärfen. Nicht nur Oelde, sondern auch die umliegenden Kommunen steuern in den kommenden Jahren auf zunehmende Engpässe zu. In den nächsten fünf Jahren drohe in weiten Teilen des Umfelds eine deutliche hausärztliche Unterversorgung. Für Oelde bedeutet das aus Sicht von VOLT: Die Stadt muss frühzeitig handeln, wenn sie künftig im Wettbewerb um medizinischen Nachwuchs bestehen will.

Junge Medizinerinnen und Mediziner für Oelde gewinnen

In der Diskussion wurde zugleich deutlich, wie sehr sich die Rahmenbedingungen für niedergelassene Hausärzte verändert haben. Steigende Praxiskosten, eine nicht im gleichen Maße wachsende Vergütung sowie Themen wie Regressforderungen und Haftungsrisiken erschweren den Betrieb einer eigenen Praxis. Zugleich konkurriert die Niederlassung mit Beschäftigungsmöglichkeiten in Kliniken und anderen medizinischen Einrichtungen.

Entscheidend sei deshalb, attraktive Bedingungen für die nächste Ärztegeneration zu schaffen. Eine besondere Rolle spielen dabei junge Medizinerinnen: Rund 70 Prozent des medizinischen Nachwuchses in diesem Bereich seien mittlerweile weiblich. Planbare Arbeitszeiten, Teilzeitmöglichkeiten, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und attraktive Anstellungsmodelle gewinnen damit erheblich an Bedeutung.

Genau an diesem Punkt hatte auch der ursprüngliche VOLT-Prüfantrag für eine kommunal geführte Arztpraxis angesetzt. Die Veranstaltung zeigte allerdings auch die Risiken dieses Modells. Medizinische Versorgungszentren seien wirtschaftlich anspruchsvoll und häufig nicht kostendeckend. Für VOLT ist diese Erkenntnis kein Grund, am ursprünglichen Modell festzuhalten.

„Unser Antrag war ein Prüfauftrag – und genau darum geht es bei einer Prüfung: herauszufinden, was funktioniert und was nicht“, resümiert Fraktionsvorsitzender Uli Schwieder. „Ob eine junge Ärztin am Ende in einer eigenen Praxis, angestellt in einer bestehenden Praxis oder in einem MVZ arbeitet, ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass sie sich für Oelde entscheidet. Wenn auch unser ursprünglicher Vorschlag dafür nicht der beste Weg ist, suchen wir einen besseren. Politik darf keine Eitelkeitsfrage sein.“

Ärzte vor Ort wollen ihre Erfahrungen einbringen

Besonders wertvoll war aus Sicht der Fraktion deshalb die anschließende Diskussion. Mehrere Haus- und Kinderärzte aus Oelde brachten konkrete Erfahrungen und Vorschläge ein. Sie kennen die Schwierigkeiten bei Praxisnachfolgen, wissen, welche Rahmenbedingungen Nachwuchsmediziner erwarten und an welchen Stellen Unterstützung notwendig wäre. Dabei wurde auch Kritik geäußert, dass diese praktische Expertise bislang nicht ausreichend abgefragt worden sei.

Genau daraus soll nun der nächste Schritt entstehen. VOLT möchte die Medizinerinnen und Mediziner sowie weitere Fachleute, die sich aktiv einbringen wollen, an einen Tisch holen. Ergänzt werden soll die Runde um geeignete Ansprechpartner aus der Stadtverwaltung und weitere Akteure aus dem medizinischen Bereich.

Das Ziel: ein gemeinsames Eckpunktepapier zur Sicherung der hausärztlichen Versorgung in Oelde, entwickelt möglichst unmittelbar von den Menschen, die die Situation aus ihrer täglichen Arbeit kennen.

VOLT will den Prozess anstoßen und organisatorisch begleiten, sich inhaltlich aber bewusst zurücknehmen. Die Fraktion hält es nicht für erforderlich, dass jede Ratsfraktion einen politischen Vertreter in eine solche Arbeitsgruppe entsendet. Zunächst sollen Fachwissen und praktische Erfahrung im Vordergrund stehen. Das daraus entstehende Konzept könne anschließend der Politik vorgelegt werden – beispielsweise auch als gemeinsamer Bürgerantrag.

„Es geht nicht darum, welche Partei am Ende ihren Namen über eine Lösung schreiben kann“, ergänzt Co-Fraktionsvorsitzender Michael Twittmann. „Wenn diejenigen, die jeden Tag in Oelde medizinische Versorgung leisten, gemeinsam einen tragfähigen Vorschlag entwickeln, dann sollte unsere Aufgabe als Politik vor allem darin bestehen, zuzuhören und gute Lösungen möglich zu machen.“

„Genau so stellen wir uns Kommunalpolitik vor“

Für VOLT ist die Veranstaltung deshalb trotz der ernsten Ausgangslage mit einem optimistischen Ergebnis zu Ende gegangen. Statt an einem bereits formulierten Konzept festzuhalten, soll aus den unterschiedlichen Erfahrungen nun etwas Neues entstehen.

„Genau so stellen wir uns pragmatische Kommunalpolitik vor“, sagt Schwieder. „Wir haben mit unserem Antrag einen Impuls gesetzt. Jetzt haben wir mit den Menschen gesprochen, die es besser wissen als wir Politiker. Daraus entsteht ein neuer Ansatz. Jetzt bringen wir diese Menschen zusammen und schauen, ob daraus eine konkrete Lösung für Oelde werden kann.“

Ein besonderer Dank der Fraktion gilt Dr. Jan Meiners für seinen fachkundigen und zugleich anschaulichen Vortrag sowie allen Ärztinnen und Ärzten und Gästen, die sich aktiv in die Diskussion eingebracht haben.

Die VOLT-Fraktion will nun zeitnah das Gespräch mit der Stadtverwaltung suchen und die interessierten Fachleute zusammenführen. Für Schwieder bleibt dabei eine Erkenntnis des Abends entscheidend: „Wenn künftig viele Kommunen um immer weniger Hausärztinnen und Hausärzte konkurrieren, muss Oelde jetzt daran arbeiten, einer der attraktivsten Standorte für die nächste Ärztegeneration zu sein.“