Teilnehmende der Spirituoseninitiative Westfalen beim Treffen am Standort von
Schwarze und Schlichte in Oelde. Bruno Schroeder (Heinrich Schroeder KG), Hendrik Dirkwinkel (Paehler-Rietberg Markenspirituosen GmbH), Katharina Schwarze (Schwarze & Schlichte GmbH & Co. KG), Peter Eversbusch (August Eversbusch oHG), Paul Rademacher (Kornbrennerei J. J. Kemper GmbH &
Co. KG), Christian Northoff (Northoff Feinbrennerei Inh. Stefan Northoff e. K.), Erdal Akarsu (Wilhelm Kisker GmbH), Eric Steinborn (Privatbrennerei Boente GmbH & Co. KG), StefanPetersen (Krugmann Markenspirituosen GmbH & Co. KG)
Beim Treffen in Oelde machen 17 westfälische Unternehmen sichtbar, was die geplante Erhöhung der Spirituosensteuer für Familienbetriebe, Beschäftigte, Investitionen und regionale Partner bedeuten kann. Sie fordern Dialog, ausreichende Vorlaufzeit und eine verbindliche Prüfung der Folgen.
Vertreterinnen und Vertreter westfälischer Spirituosenunternehmen haben sich am Standort von Schwarze und Schlichte in Oelde auf gemeinsame Positionen zur geplanten Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen verständigt. Die Unternehmen fordern eine mittelstandsverträgliche Umsetzung, eine ausreichende Vorlaufzeit und eine verbindliche Überprüfung der wirtschaftlichen und fiskalischen Folgen. Die in der Spirituoseninitiative Westfalen zusammengeschlossenen 17 Unternehmen sind überwiegend mittelständische, familiengeführte Betriebe, die seit Generationen in der Region produzieren. Sie sichern Arbeits- und Ausbildungsplätze und sind eng mit Landwirtschaft, Handel, Gastronomie, Logistik und Tourismus verbunden.
Eine Steueränderung lässt sich in unseren Unternehmen nicht per Knopfdruck umsetzen. Preise, Verträge, Warenbestände und Zollprozesse müssen rechtzeitig angepasst werden. Deshalb braucht es vor jeder Entscheidung eine ehrliche Prüfung der Folgen, und, sollte es zu einer Änderung kommen, eine Lösung, die in der Praxis des Mittelstands funktioniert
sagt Katharina Schwarze, Geschäftsführerin der Schwarze und Schlichte GmbH & Co. KG.
Ausreichende Vorlaufzeit statt kurzfristiger Umsetzung
Unabhängig von der grundsätzlichen Bewertung einer Steuererhöhung sieht die Initiative ein mögliches Inkrafttreten unmittelbar zum Jahresbeginn besonders kritisch. Besonders im wichtigen Jahresendgeschäft lassen sich die erforderlichen Anpassungen sowohl auf Herstellerals auch Handelsseite nicht kurzfristig realisieren. Die Spirituoseninitiative Westfalen spricht sich deshalb für ein Inkrafttreten frühestens zum 1. Juni 2027 aus. Sollte dieser Termin politisch nicht umsetzbar sein, müsse den Unternehmen zumindest eine ausreichend lange und verlässliche Vorbereitungszeit eingeräumt werden.
Planungssicherheit ist für mittelständische Unternehmen entscheidend. Wer Investitionen, Beschäftigung, regionale Produktion und Wertschöpfung sichern will, muss politische Entscheidungen verlässlich vorbereiten und ihre Folgen für die Betriebe berücksichtigen.
Steuerliche Belastung nachvollziehbar begründen
Nach Angaben der Initiative tragen Spirituosen bereits heute knapp 70 Prozent des Steueraufkommens aus alkoholhaltigen Getränken, obwohl sie lediglich 4,6 Prozent des mengenmäßigen Konsums ausmachen. Eine zusätzliche und ausschließlich auf Spirituosen bezogene Belastung müsse daher fiskalisch, wirtschaftspolitisch und gesundheitspolitisch nachvollziehbar begründet werden. Die Unternehmen weisen darauf hin, dass viele mittelständische Spirituosenhersteller zusätzliche Belastungen nicht ohne Weiteres durch andere Märkte, Produktbereiche oder Getränkekategorien ausgleichen können. Eine Steuererhöhung könne deshalb nicht nur die Betriebe selbst, sondern auch Zulieferer, Handel, Gastronomie und weitere regionale Partner treffen.
Steuererhöhung an ihren Folgen messen
Eine höhere Spirituosensteuer müsste sich an ihren eigenen Zielen messen lassen: mehr staatliche Einnahmen, weniger problematischer Alkoholkonsum und eine verhältnismäßige Belastung der betroffenen Betriebe. Dafür braucht es im weiteren Gesetzgebungsverfahren klare und transparente Kennzahlen. Dazu zählen insbesondere
• Absatzentwicklung und Steueraufkommen,
• Auswirkungen auf Beschäftigung und Investitionen,
• Folgen für regionale Wertschöpfung, Handel und Gastronomie,
• Veränderungen des Konsumverhaltens sowie mögliche Ausweichbewegungen.
Nur auf dieser Grundlage lasse sich beurteilen, ob eine Steuererhöhung ihre fiskalischen und gesundheitspolitischen Ziele tatsächlich erreichen kann und in einem vertretbaren Verhältnis zu den wirtschaftlichen Folgen steht. Auch die Annahmen zur Preisentwicklung, zum Kaufverhalten und zu den erwarteten Mehreinnahmen müssten vor einer Entscheidung belastbar überprüft werden.
Dialog über die Folgen vor Ort
Die Spirituoseninitiative Westfalen will die politische Debatte konstruktiv begleiten und die Folgen möglicher Steueränderungen für Betriebe, Beschäftigte und regionale Partner sichtbar machen. Dazu sucht sie den Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundestages, des Landtages und der Kommunalpolitik.
Wer über die Besteuerung von Spirituosen spricht, muss auch über Arbeitsplätze, Ausbildung, regionale Wertschöpfung und unternehmerische Planungssicherheit sprechen. Unsere Unternehmen sind fest in Westfalen verwurzelt und wollen auch künftig hier investieren, ausbilden und produzieren
sagt Hendrik Dirkwinkel, Geschäftsführer der Paehler-Rietberg Markenspirituosen GmbH.
Mit ihrer gemeinsamen Position setzt die Spirituoseninitiative Westfalen ein Zeichen für eine faire, transparente und mittelstandsverträgliche Ausgestaltung der Steuerpolitik.