Der Tod eines langjährig engagierten Hausarztes erfüllt viele Menschen in Oelde mit Trauer und macht zugleich auf bedrückende Weise deutlich, wie angespannt die hausärztliche Versorgung in Oelde inzwischen ist. Die zahlreichen Reaktionen in Leserbriefen, sozialen Medien und persönlichen Gesprächen zeigen: Das Thema bewegt die Bürgerinnen und Bürger – und der Handlungsdruck wächst.
Genau deshalb hatte die VOLT-Fraktion bereits vor einiger Zeit einen Prüfauftrag eingebracht, der die Einrichtung einer kommunal geführten Praxis für Allgemeinmedizin untersuchen sollte. Im Mittelpunkt stand dabei weniger ein fertiges Modell als vielmehr die Frage, wie Oelde künftig junge Ärztinnen und Ärzte für den Standort gewinnen kann. Denn die klassischen Wege der Nachwuchsgewinnung stoßen vielerorts zunehmend an ihre Grenzen. Der Antrag sollte deshalb ergebnisoffen prüfen, welche neuen organisatorischen Modelle die Kommune als möglicher Akteur der Gesundheitsversorgung unterstützen kann.
Im Mittelpunkt stand ein grundlegender Gedanke: Die Arbeitswelt in der Medizin hat sich verändert. Immer weniger junge Ärztinnen und Ärzte möchten eine eigene Praxis übernehmen. Stattdessen wünschen sich viele – insbesondere Ärztinnen, die heute den überwiegenden Teil der Medizinstudierenden ausmachen – planbare Arbeitszeiten, Teamstrukturen und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Genau dort müssen wir in Oelde ansetzen: Die Kommune könnte moderne Beschäftigungsmodelle ermöglichen und dadurch die Attraktivität des Standorts erheblich steigern.
„Wir haben in Oelde in den vergangenen Jahren vieles versucht, um Ärztinnen und Ärzte für unsere Stadt zu gewinnen“, erklärt Fraktionsvorsitzender Uli Schwieder. „Unser Ansatz lautet deshalb: Wir müssen früher ansetzen. Wir müssen junge Medizinerinnen und Mediziner direkt nach Studium und Weiterbildung für Oelde begeistern. Das gelingt nur mit modernen Arbeitsbedingungen, die zu den Lebensentwürfen der neuen Generation passen.“
VOLT betont, dass Kommunen bei der hausärztlichen Versorgung keineswegs machtlos seien. Vielmehr eröffneten Gesetzgebung und bestehende Modelle bereits heute verschiedene Möglichkeiten, sich aktiv an der Sicherung der ambulanten Versorgung zu beteiligen – etwa durch kommunale Trägerschaften, Kooperationen oder Gesundheitszentren.
Der damalige Prüfauftrag wurde fraktionsübergreifend abgelehnt. Für Volt steht jedoch weniger die ursprüngliche Ausgestaltung des Antrags im Vordergrund als vielmehr das gemeinsame Ziel, tragfähige Lösungen für Oelde zu entwickeln.
„Uns geht es nicht darum, auf einem bestimmten Modell zu bestehen“, so Schwieder. „Uns geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und die beste Lösung für Oelde zu finden. Wenn andere gute Ideen auf den Tisch kommen, unterstützen wir sie ausdrücklich. Entscheidend ist, dass wir handeln – denn die Versorgungslage wird sich ohne neue Ansätze weiter verschärfen.“
Um diesen Dialog anzustoßen, lädt VOLT Anfang September zu einer öffentlichen Informations- und Diskussionsveranstaltung ein. Referent des Abends wird Regionalleiter Dr. Jan Meiners vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband Westfalen-Lippe sein. Gemeinsam soll der Frage „Hausärztliche Versorgung in Oelde – wie gestalten wir die Zukunft?“ nachgegangen und über konkrete Lösungsansätze für die medizinische Versorgung vor Ort diskutiert werden. Nähere Informationen zur Veranstaltung werden in Kürze bekanntgegeben.
Für VOLT steht fest: Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die Zeit drängt. Umso wichtiger ist es jetzt, parteiübergreifend, gemeinsam mit Fachleuten und den Bürgerinnen und Bürgern offen über neue Wege nachzudenken. Denn die Sicherung der hausärztlichen Versorgung gehört zu den wichtigsten Aufgaben kommunaler Daseinsfürsorge.