Am Donnerstag, den 22.01.2026, besuchte Philip Schlaffer, ein ehemaliger Rechtsextremer und heutiger Aussteiger, die Gesamtschule Oelde, die dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ angehört. Die Durchführung der Veranstaltung wurde dabei von der Schülervertretung (SV) unterstützt, die sich im Rahmen ihrer schulischen Arbeit aktiv für Demokratie, Toleranz und ein respektvolles Miteinander einsetzt. Gefördert wurde der Besuch von Herrn Schlaffer durch das Schulförderprogramm des Kreises Warendorf „Demokratie leben lernen“.
Philip Schlaffer blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Bereits in jungen Jahren rutschte er in die rechtsextreme Szene ab und war über viele Jahre tief in deren Strukturen verankert. Heute hat er sich vollständig von dieser Ideologie distanziert und arbeitet unter anderem als Autor und Referent. In seiner heutigen Arbeit klärt er über Radikalisierungsprozesse auf und berichtet aus eigener Erfahrung über die Gefahren extremistischer Weltbilder.
In seinem Vortrag schilderte Philip Schlaffer eindrücklich und offen, wie er seinen Weg in die rechtsextreme Szene fand. Er erklärte, welche persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren ihn damals beeinflussten und warum extremistische Gruppierungen gerade für junge Menschen oft eine scheinbare Orientierung oder Zugehörigkeit bieten. Dabei machte er deutlich, wie schleichend dieser Prozess verläuft und wie schwer es ist, sich daraus wieder zu lösen.
Gleichzeitig reflektierte er selbstkritisch die Fehler und Entscheidungen, die er in dieser Zeit getroffen hat. Offen sprach er über Gewalt, Hass und Menschenverachtung, die sein damaliges Denken und Handeln bestimmten und scheute sich nicht davor, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.
Ein zentraler Bestandteil seines Vortrags waren die langfristigen Konsequenzen seiner Vergangenheit, die ihn bis heute begleiten. Philip Schlaffer berichtete von Schuldgefühlen, Albträumen und der ständigen Auseinandersetzung mit dem Leid, das seine Taten und seine frühere Ideologie verursacht haben. Er sprach auch über die Opfer rechter Gewalt und machte deutlich, welche Auswirkungen solch ein Handeln haben kann. Unterstützt durch Fotos und Videos wurde seine Geschichte für alle Anwesenden greifbar und emotional nachvollziehbar, sodass sie bei vielen Zuhörenden tiefen Eindruck hinterließ.
Während des gesamten Vortrags herrschte eine sehr aufmerksame und konzentrierte Atmosphäre. Die Schülerinnen und Schüler hörten gebannt zu und zeigten großes Interesse an den persönlichen Schilderungen. Im anschließenden Austausch nutzten sie intensiv die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Besonders beschäftigte sie, ob Philip Schlaffer seine Vergangenheit bereut, wie er heute mit ihr lebt und was er seinem zehnjährigen Ich rückblickend mit auf den Weg geben würde. Seine ehrlichen und direkten Antworten regten viele zum weiteren Nachdenken an.
Am Ende des Vortrags waren zahlreiche nachdenkliche und bewegte Gesichter zu sehen. Die Lebensgeschichte von Philip Schlaffer machte den Schülerinnen und Schülern eindrucksvoll bewusst, welche weitreichenden und oft lebenslangen Folgen falsche Entscheidungen haben können. Gleichzeitig zeigte der Vortrag aber auch, dass Veränderung möglich ist und dass es wichtig ist, Verantwortung zu übernehmen und aus Fehlern zu lernen. Besonders deutlich wurde dabei, wie zentral Akzeptanz, Zusammenhalt und ein respektvoller Umgang miteinander für ein demokratisches Miteinander sind.