Die Ausstellung „DROSTE DIGITAL. Handschriften – Räume – Installationen“ macht die digitalisierten Handschriften der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff zum ersten Mal zugänglich. Sie zeigt die fast mikroskopisch kleine Handschrift, die winzigen, kaum lesbaren Buchstaben, die sich dicht an dicht auf den Seiten drängen und das Papier mit zahlreichen Korrekturen füllen. In der Ausstellung können die Besucherinnen und Besucher in den Schreib- und Entstehungsprozess der Handschriften Drostes eintauchen. Die ausgewählten Handschriften, die zum Meersburger Nachlass gehören, bestehen aus unterschiedlichen Textsorten, zum Beispiel Reinschriften von und Entwürfe zu Gedichten, Motivsammlungen, Briefen sowie Notizen, Quittungen und Listen. Die Digitalisate dieser Texte bilden die Grundlage für die Ausstellung „DROSTE DIGITAL“.
Verschiedene Schriftstellerinnen, Künstlerinnen und Künstler haben sich mit diesen Texten von Annette von Droste-Hülshoff auseinandergesetzt und Installationen – ursprünglich auf der Burg Hülshoff – gestaltet. Die gestalteten Räume der Deutschen Buchpreisträgerin Dorothee Elmiger, der Autorin Nora Gomringer, des Kollektivs Anna Kpok und des Videokünstlers Robert Hagenbrock werden im Museum für Westfälische Literatur nachgebildet.
Zeitgleich zeigt die Ausstellung „Von Hand erzählt – die Tagebücher der Jenny von Droste-Hülshoff“, im Außenraum des Kulturguts Haus Nottbeck, das Leben von Jenny von Droste-Hülshoff. Jenny von Droste-Hülshoff hat bisher vor allem als Schwester von Annette von Droste-Hülshoff oder Frau von Joseph von Laßberg Beachtung gefunden. In dieser Ausstellung soll nun erstmals ein Blick auf ihr Leben und vor allem ihr Tagebuchschreiben, unabhängig von den bekannten Persönlichkeiten um sie herum, gewährt werden. Die Ausstellung zeichnet den Weg einer ausführlich schreibenden Jugendlichen über die effizient notierende junge Frau bis hin zur knappen Berichterstattung als Mutter, Ehefrau und Burgherrin. Die Materialität ihrer Tagebücher wird dabei zum stummen Zeugen sich wandelnder Lebensumstände.
Jenny von Droste-Hülshoff war nicht nur Vertraute und Unterstützerin ihrer Schwester Annette von Droste-Hülshoff – sie war eine Persönlichkeit, die mit bemerkenswerter Akribie ihr Leben dokumentierte. Ihre bisher weitgehend unbekannten Aufzeichnungen eröffnen spannende Perspektiven auf Erziehung und Bildung, kulturelles und gesellschaftliches Leben, Religionspraxis und das Selbstverständnis des Adels im 19. Jahrhundert. Die Ausstellung „Von Hand erzählt“ macht diese wertvollen Lebenszeugnisse erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und würdigt Jenny von Droste-Hülshoff als eigenständige historische Persönlichkeit.